Erinnerungsbuch

Prototyp

A4 Querformat, 114 Farb-Seiten
Handgebundener Stoffeinband mit kaklligraphiertem Titelschild
Vernickelte Buchschrauben (20 mm)
Inhalt: 25 Kapitel, ca. 400 Fotos & Illustrationen
2010

 


Projektbeschreibung

Nach der Ermordung einer Freundin hatte ich den Wunsch, ihrem Leben ein Denkmal zu setzen. Dazu griff ich eine Idee auf, die sie selbst vor ihrem Tod gehabt hatte: Sie wollte ein Fotoalbum ihrer Freunde zusammenstellen. In enger Zusammenarbeit mit ihrer Schwester erstellte ich ein Gedenkbuch bestehend aus Nachrufen von 36 verschiedenen Autoren (Familie, Freunde, Lehrer, Arbeitgeber). Die Beiträge entsprechen jeweils Kapiteln, die in invers chronologischer Abfolge (vom Begräbnis rückwärts bis zur Geburt) wichtige Etappen in der Biografie der Verstorbenen repräsentieren und durch Fotos und Zeichnungen aus ihrem Leben illustriert sind. Das Schlusskapitel bildet eine autobiografische, parabelhafte Erzählung, in der die Verstorbene selbst ihre Persönlichkeit reflektiert und Fremdzuschreibungen zT konterkariert. Jedem Kapitel ist zudem eine Symbolpflanze zugeordnet, die für die botanisch interessierte Ermordete von Relevanz war.

Zielsetzung

Dieses Buchprojekt sollte zur Unterstützung der Trauerarbeit für Angehörige und Freunde dienen. Durch das Schreiben der Nachrufe und das Sichten der Fotos hatten die Hinterbliebenen eine Möglichkeit, ihre Erinnerungen an die Verstorbene in eine strukturierte Ordnung zu bringen und ihre schmerzhafte Erfahrung kreativ zu verarbeiten. Außerdem gab ihnen das Buch die Möglichkeit, das soziale Umfeld der Tochter, Schwester, Freundin, etc. und ihre Position darin besser kennenzulernen. Die verschriftlichte und bebilderte Anteilnahme war weitreichender und umfassender als das in herkömmlichen Kondolenzbüchern oder -briefen möglich und üblich ist. Die redigierten Tagebuchpassagen sollten den Zugang zur zurückhaltenden Persönlichkeit der Verstorbenen erleichtern.

Koordination & Dauer

Die Arbeit am Erinnerungsbuch dauerte von März 2009 bis April 2010 (intensive Arbeitsphase in den letzten vier Monaten, davor Materialienbeschaffung und Konzepterarbeitung). Direkt im Anschluss an die Beisetzung verteilten wir einen Brief an die Hinterbliebenen, um die Projektidee vorzustellen. Um die Zusammenarbeit mit den Autoren im weiteren Verlauf zu erleichtern, wurde der Projektfortschritt kontinuierlich auf kati.pregartner.net dokumentiert. Vertrauliche Informationen waren passwortgeschützt und somit nicht öffentlich zugänglich.

erinnerungsbuch

 


Buchpräsentation & Gedenkfeier

Den Projektabschluss bildete eine Gedenkfeier um den ersten Todestag der Verstorbenen, bei dem wir das fertige Erinnerungsbuch allen Beteiligten präsentierten. Die Feierlichkeit fand im Studentenlokal TÜWI (nahe der Wiener Universität für Bodenkultur) statt und dauerte von 15 bis 19 Uhr. 25 Besucher waren anwesend. Während des zeremoniellen Teils sang eine Abordnung von 15 SängerInnen des Chores Cantus Novus fünf Lieder aus dem Repertoire, bei dem auch die Verstorbene mitgesungen hatte. Zwischen den Stücken lasen anwesende Autoren jeweils ihre Texte aus dem Erinnerungsbuch vor.  Den letzten Buchtext las die Mutter der Verstorbenen, wobei sie den Inhalt ihres Beitrags stellenweise dialektal und frei gesprochen improvisierte. Eine Studienkollegin wollte lieber frei über ihre Beziehung zur Verstorbenen sprechen. Eine Gedenkkerze brannte während der gesamten Zeremonie. Abschließend wurde der Prototyp des Erinnerungsbuches feierlich an die Familie überreicht, die sich dafür mit einem Geschenkkorb bedankte. Im Anschluss an die Zeremonie gab es im Gastgarten des Lokals unter Kastanienbäumen ein biologisch-vegetarisches Buffet und Gelegenheit zum Austausch bzw. gegenseitigen Kennenlernen. Kirschblütenzweige dienten – wie auf der Einladung – als Dekoration. Hinter dem Buffet gab es einen Präsentationstisch, auf dem nicht nur das Erinnerungsbuch sondern auch andere Erinnerungsstücke zum Ansehen bereit lagen.