Auf Sicht

Werkverzeichnis von Kati Pregartner

Erinnerungsbuch für eine verstorbene Freundin

Projektbeschreibung

erinnerungsbuch

Projektbeginn: Nach der Beisetzung verteilten wir an die Hinterbliebenen einen Brief, um unsere Idee vorzustellen.

Nach der Ermordung einer Freundin hatte ich das Bedürfnis, diesem unfassbaren Ereignis, ihrer Persönlichkeit und ihrem viel zu kurzen Leben ein adäquates Denkmal zu setzen. Dazu griff ich eine Idee auf, die  sie selbst vor ihrem unerwarteten Tod gehabt hatte: Sie wollte ein kommentiertes Fotoalbum über ihre Freunde machen. Ich kehrte das Konzept um und editierte in enger Zusammenarbeit mit der Schwester der Verstorbenen ein Gedenkbuch bestehend aus Nachrufen und persönlichen Schilderungen von 36 verschiedenen Autoren (Familie, Freunde, Lehrer, Arbeitgeber). Ihre Beiträge entsprechen jeweils Kapiteln, die in invers chronologischer Abfolge (vom Begräbnis rückwärts bis zur Geburt) wichtige Etappen in der Biografie der Verstorbenen repräsentieren und durch thematisch und zeitlich zugeordnete Fotos und Zeichnungen aus ihrem Leben illustriert sind. Das Schlusskapitel bildet eine autobiografische, parabelhafte Erzählung der Verstorbenen, durch die — sowie durch mehrere eingestreute Tagebuchpassagen — Charakterisierungen und Zuschreibungen durch das soziale Umfeld aus ihrer eigenen Perspektive relativiert und zT kontrastiert werden. Jedem Kapitel ist zudem eine Symbolpflanze zugeordnet, die für die botanisch interessierte Ermordete eine bestimmte Relevanz gehabt hatte.

Projektziel

Dieses Buchprojekt sollte zur Unterstützung der Trauerbewältigung für Angehörige und Freunde dienen. Durch das Schreiben der Nachrufe und das Sichten der Fotos lernten die Hinterbliebenen eine mögliche Methode kennen, um ihre Erinnerungen an die Verstorbene in eine strukturierte Ordnung zu bringen und ihre schmerzhafte Erfahrung kreativ zu verarbeiten. Außerdem gab ihnen das Buch die Möglichkeit das soziale Umfeld der Tochter, Schwester, Freundin, etc. und ihre Position darin besser kennenzulernen. Die verschriftlichte und bebilderte Anteilnahme war weitreichender und umfassender als das in herkömmlichen Kondolenzbüchern oder -briefen möglich und üblich ist. Die redigierten Tagebuchpassagen sollten den Zugang zur zurückhaltenden Persönlichkeit der Verstorbenen erleichtern. Zum Abschluss des Projekts gab es eine Feier im Andenken an die Verstorbene, bei der das gemeinsam erstellte Buch allen Beteiligten präsentiert und der erfolgreiche Projektabschluss gefeiert wurde. Im Rahmen dieser Feier trat auch der Chor auf, bei dem die Verstorbene mitgesungen hatte.

Ausführung

A4 Querformat, 114 Farb-Seiten, stoffbezogener Handeinband mit kalligraphiertem Titelschild, vernickelte Buchschrauben (20 mm), 25 Kapitel, Autorenverzeichnis, ca. 400 Fotos bzw. Illustrationen.

Projektkoordination

Zur Erleichterung der Zusammenarbeit mit den Autoren wurde der Projektfortschritt kontinuierlich auf kati.pregartner.net dokumentiert. Vertrauliche Informationen waren passwortgeschützt und somit nicht öffentlich zugänglich.

Projektdauer

März 2009 bis Mai 2010, intensive Arbeitsphase in den letzten vier Monaten, davor Materialienbeschaffung und Konzepterarbeitung

Buchpräsentation und Erinnerungsfeier

Am 25. April 2010 präsentierten wir im Rahmen einer Gedenkfeier unser fertiges Erinnerungsbuch. Die Feierlichkeit fand im Studentenlokal TÜWI (nahe der Wiener Universität für Bodenkultur) statt und dauerte von etwa 15 bis 19 Uhr. Während des zeremoniellen Teils sang eine Abordnung von SängerInnen des Chors Cantus Novus Lieder aus dem Repertoire, bei dem auch die Verstorbene mitgesungen hatte. Zwischen den Stücken lasen anwesende Autoren jeweils ihre Texte aus dem Erinnerungsbuch vor. Abschließend wurde der Prototyp des Erinnerungsbuches feierlich an die Familie überreicht. Im Anschluss an die Zeremonie gab es im Gastgarten des Lokals ein biologisch-vegetarisches Buffet und Gelegenheit zum Austausch bzw. gegenseitigen Kennenlernen. (Für detailiertere Informationen bitte auf Fotos klicken!)

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