Spiegelungen

Nach dem Tod seines Vaters wünschte sich ein Freund von mir ein Abschiedsportrait und eine dazu passende Urne. Seine Gestaltungsidee hat mich sofort fasziniert: Die Kinder und Lebenspartnerin spiegeln sich in der Brille des verstorbenen Papa. So hat er sie immer im Blick. Eine sehr tröstliche Vorstellung, egal wie man sie auslegt: als Würdigung eines umsichtigen Vaters, den man entweder hatte oder sich zumindest sein Leben lang gewünscht hätte; als Schutzengel, der aus dem Jenseits über seine Liebsten wacht; oder als Sinnbild dafür, dass wir nie ganz unabhängig wir selbst sind, sondern stets von unseren engsten Beziehungen geprägt werden. Diese Beziehungen sind wechselseitig. Sie betreffen jeden von uns, ob wir wollen oder nicht, und gewinnen nach dem Tod sogar noch an Bedeutung. Denn der Verstorbene kann keinen Einfluss mehr darauf nehmen, welches Bild wir von ihm behalten. Es bleibt auf diesem letzten Stand eingefroren als Erinnerung und lässt sich nur mehr verändern, indem wir es durch eine andere Brille betrachten. Dementsprechend liegen die kleinen Portraits auf der Brille auch auf einer separaten Ebene aus Transparentpapier, die man nach Wunsch entfernen oder austauschen könnte.

Im Kreis der Familie

In diesem epischen Familienportrait habe ich Bleistifte und Buntstifte so kombiniert, dass die Eltern und Geschwister des Paares alle mit aufs Bild konnten, ohne dass das Motiv allzu unübersichtlich wird. In enger Umarmung steht das Auftraggeberpaar im Mittelpunkt, flankiert jeweils von ihrem jüngeren Ich und eingebettet in den sprichwörtlichen Kreis ihrer Familien. Die Mehrzahl der abgebildeten Angehörigen ist jedoch bereits verstorben. Der offene Kreis wird symbolisch von den Händen des kinderlosen Paares zusammengehalten.

Unser Gartenhaus

Als ein 90. Geburtstag in der Familie anstand, bestellte eine bestehende Kundin wieder ein Geschenk aus dem Atelier für Erinnerungsdesign. Zu sehen sind darauf der aktive Jubilar und seine beiden Töchter an ihrem Lieblingsort, einer urigen Waldhütte, die er vor ca. 60 Jahren gekauft und aufgepäppelt hatte. Auch die Auftraggeberin hatte dort schon viele, schöne Kurzurlaube verbracht. Inspiriert von den Visuellen Lebensläufen auf meiner Webseite entschied sie sich für eine Montage aus verschiedenen Epochen. Hauptmotiv am linken Rand ist der Jubilar in seiner aktuellen Erscheinung. Hinter ihm auf der Veranda sitzt sein jüngeres Alter Ego zusammen mit einer seiner beiden Töchter im Alter von etwa Mitte 20. Mit ihr war er zum ersten Mal in Afrika auf Safari, als sie erst 11 war. Von diesem Urlaub stammt sein Portrait in der Mitte. Dieselbe Tochter sehen wir rechts als erwachsene Frau und nun Mitte 60 mit ihrem geliebten Pferd. Die andere Tochter im Zentrum des Bildes strahl eine Aura von Grande Dame aus, während sie ihrem Vater aus jungen Jahren herzlich die Hand auf die Schulter legt.

Marlene Style

Marlene, die als Sängerin mit ihrer Gitarre beim offenen Atelier 2024 mitwirkte, bat sich als "Naturalhonorar" eine Zeichnung vom Atelier für Erinnerungsdesign aus. Ohne bindenden Auftrag hatte ich hier mal wieder Gelegenheit zu experimentieren: Die Schattierungen und Höhungen auf grauem Papier machen das Portrait besonders lebendig, wie ich finde. Hört ihr die Musik?

Frau Bürgermeister

Die Tochter des langjährigen Bürgermeisters wollte mit dieser Zeichnung ihrer Mutter, die stets im Schatten ihres Mannes gestanden hatte, Anerkennung und Aufmerksamkeit schenken. Die Mutter, mittlerweile demenzkrank und im Altersheim, erhielt die Zeichnung als Geburtstagsgeschenk. Beim Überreichen des Bildes gingen wir die Lebensstationen auf der Zeichnung mit der Jubilarin gemeinsam durch. Sie wirkte neugierig und ergriffen, auch wenn sie wohl nicht mehr alles wiedererkannt hat. Für die Geschwister der Auftraggeberin durfte ich vier Reproduktionen der Originalzeichnung anfertigen. Das Motiv der Zeichnung ist außerdem als Gestaltungselement für die Sterbenachricht der Mutter vorgesehen, sobald der Zeitpunkt gekommen ist.

Familie in Graustufen

Zunächst konnte sich die Auftraggeberin dieses Bildes nicht entscheiden, welche der beiden Fotovorlagen geeigneter wäre, also bestellte sie schließlich zwei Bilder in unterschiedlichen Techniken, um sie miteinander vergleichen zu können. Eines in Farbe als Geschenk für die eigene Familie und eines in Graustufen für die Schwiegereltern. Als Vorlage dienten Urlaubsfotos zusammen mit dem Hund.

Opas Garten

Wenn eigene Familienangehörige zu Palliativpatienten werden, hat man es deswegen nicht leichter, nur weil man selbst in einem mobilen Palliativteam arbeitet. Zumindest kannte die Auftraggeberin dadurch bereits unterschiedliche Angebote zum Thema Abschied. Nachdem ihr Vater verstorben war, wollte sie Erinnerungsdesign persönlich ausprobieren und bestellte eine Zeichnung zum Trost für ihre Mutter. Als Vorlage wählte sie ein Foto von einem glücklichen Moment zwischen ihren beiden Kindern und ihrem Vater, aufgenommen während einem der regelmäßigen Besuche in Opas Garten. Besonders berührt hat sie, wie cool es ihre Kinder fanden, sich selbst in der Zeichnung wiederzuerkennen, obwohl sie inzwischen schon einige Jahre älter waren als auf dem Foto.

Taufkerze

Diese Zeichnung von der ganzen Familie entstand anlässlich der Taufe des jüngsten Sohnes. Die Zeichnung wurde digitalisiert und auf eine große Blockkerze mit 2 Dochten übertragen. Die Auftaggeberin und Oma des Täuflings überreichte die Kerze als Geschenk und konnte sich die Zeichnung zur Erinnerung selbst aufhängen.

Motorrad

Hier sehen wir das Portrait eines Motorradfahrers in Schwarz-Weiß, im Hintergrund das prächtige Bergpanorama am Schiederweiher in Hinterstoder – ebenfalls in Schwarz-Weiß. Nur das chromglänzende Motorrad mit seiner markanten grünen Lackierung ist in Farbe ausgeführt, wodurch es eindeutig zum zentralen Bildelement wird. Nicht, dass der bewundernde Blick irrtümlich in die Landschaft abschweift ; ) Die Auftraggeberin organisierte zudem einen eindrucksvollen Eichenholzrahmen und das Geschenk für ihren Motorrad fahrenden Freund war komplett.

Traum[a]

Die Auftraggeberin bat mich, einen visuellen Lebenslauf für ihre 2009 ermordete Schwester anzufertigen. Als Vorlage verwendete ich Fotos, die mir bereits aus einem früheren Projekt , dem Erinnerungsbuch, vertraut waren. 13 Jahre zuvor hatte ich unmittelbar nach dem Vorfall eng mit der Auftraggeberin zusammengearbeitet, um ein Gedenkbuch mit Fotos aus den Leben ihrer Schwester und Nachrufen über sie herauszugeben. Nun wünschte sie sich zusätzlich eine Zeichnung, die als Weihnachtsgeschenk für ihre Eltern gedacht war und das Gedenkbuch ergänzen sollte.

Chamäleon

Wie die Personen im Motiv angeordnet sind, gibt Auskunft über ihr Verhältnis zueinander. Eine kleine Handgeste oder ein Blick machen dabei oft einen großen Unterschied. Bei diesem Auftrag zeichnete ich jede Person auf ein separates Blatt. Dadurch können Betrachter die Figuren selbst umgruppieren, um unterschiedliche Konstellationen durchzuspielen oder um Ihren Verlust zu verdeutlichen, indem Sie Verstorbene aus dem Bild nehmen. Andererseits ist das nützlich, wenn Angehörige nicht einer Meinung sind, wer mit wem abgebildet werden soll. Möglich wird das in diesem Bild durch geschickt platzierte Hände, die in unterschiedlichen Kombinationen verschiedenen Personen zu gehören scheinen. Auch der Hintergrund kann bei dieser Darstellungsvariante jederzeit nach Belieben variiert werden.

Loss da nix gfoin

Auf diesem Geburtstagsgeschenk für einen Katzenpapa ist der Jubilar [rechts] vereint mit seinem Enkelsohn, seinem verstorbenen Vater [links] und zwei seiner Lieblingsmiezen zu sehen. Auch sie schnurren bereits in den ewigen Jagdgründen. Der Ausspruch "loss da nix gfoin!" war ein typischer Leitsatz in der Familie und gilt natürlich auch für den Jüngsten.

Zwiebelprinzip

Bei diesem Generationenportrait vom verstorbenen Großvater mit seinem Sohn, der selbst kürzlich Vater geworden ist, mit dem Babysohn bzw. Enkel, muss ich immer an eine Matrioschka denken – nur eben die männliche Variante davon. Faszinierend, wie sich das Leben aus sich selbst heraus verjüngt und welchen Schutz und Anker uns die vorangegangenen "Schichten der Lebenszwiebel" bieten. Zum Weinen schön, der Gedanke ; )

Verlobung

Dieser Mann erhielt von seiner Zuküftigen ein Verlobungsgeschenk mit emotionalem Mehrwert. Auf dem Bild steht er im Mittelpunkt zwischen den beiden wichtigsten Frauen in seinem Leben: seiner Mutter und seiner Braut. Doch die Beziehung zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter kann nur symbolisch am Papier stattfinden, da die Mutter früh verstorben ist und sich die beiden somit nie persönlich kennenlernen konnten.

Vereint am Papier

Miriam hatte den Herzenswunsch ein gemeinsames Bild von ihren kleinen Zwillingen, ihrem dreijährigen Sohn und ihrem vor 15 Jahren verstorbenen Papa zu haben – eine klassische Aufgabenstellung für Erinnerungsdesign, die sich mit den Möglichkeiten der Fotografie so nicht mehr realisieren lässt. Die Kundin war sprachlos vor Glück, als sie die Bleistiftzeichnung zum ersten Mal sah.

Galloway

Janette [links im Bild] wollte ihrem Bruder [rechts] ein besonderes Geburtstagsgeschenk machen: Ihr Vater [Mitte] war plötzlich verstorben, als sie erst 21 und ihr Bruder 24 Jahre alt waren. Leider gab es kein gemeinsames Foto von den Dreien im Erwachsenenalter. Daher setzten wir aus Einzelfotos ein Motiv zusammen, das die Drei zusammen mit der kleinen Nichte der Kundin in einer liebevollen Umarmung zeigt. Der Vater war Züchter von Galloway Rindern, wie man an seinem Hemd erkennen kann. Die Geschwister führen den Hof nun alleine weiter.

Motorsport-Dynastie

Bei diesem Projekt ging es wieder um einen früh verstorbenen Vater. Die Kundin schenkte ihrem Mann [rechts im Bild] eine Zeichnung, die ihn im Rennanzug mit ihrem gemeinsamen Sohn im Arm neben seinem verlorenen Vater [links] zeigt. Von ihm hat er bereits in jungen Jahren die Leidenschaft für den Motorsport geerbt und wird sie wohl an die dritte Generation weitergeben.

Adventkalender

Um das Weihnachtsgeschäft trotz Pandemie etwas anzukurbeln, rief die digitale Offensive für Einzelunternehmer des Landes Niederösterreich Wir sind 1 einen virtuellen Adventkalender ins Leben. Zwischen 1. und 24. Dezember präsentierte sich täglich ein Unternehmen in einem eigenen Facebook-Posting und verloste jeweils ein Produkt im Wert von € 100,- unter den Kommentatoren. Das Atelier für Erinnerungsdesign war am 6. Dezember an der Reihe. Zu gewinnen gab es eine original Bleistiftzeichnung, die rechtzeitig zu Weihnachten übergeben wurde.

Opa posthum

Wenn ein Leben endet und ziemlich zeitgleich in derselben Familie neues Leben entsteht, beschert das manchen von uns eine Gänsehaut ... Dieses fiktive Portrait zeigt den zu früh verstorbenen Großvater mit seinen Enkelkindern im Arm, die er zu Lebzeiten nicht mehr kennenlernen konnte. Das Bild wurde als Geschenk für die Generation dazwischen bestellt.

Herzlich verbunden

Drei Generationen auf einem Hochzeitsbild vereint: das Paar, Bruder und Eltern der Braut sowie ihre Großeltern mütterlicher- und väterlicherseits. In der Realität war das leider unmöglich, weil manche Personen schon verstorben waren oder aufgrund einer Trennung nicht mehr an Familienfesten teilnehmen. In der Fantasie und auf dem Papier lassen sich Menschen zusammenführen, die im Herzen für immer verbunden sind. Wer mag, kann die Personenanordnung als Herz deuten ... Oder die floristischen Trends über die Jahrzehnte vergleichen. Die Zeichnung ging an den Brautvater als Geschenk zu dessen 60. Geburtstag.

Malermeister

Wer im Corona Lockdown einen lieben Menschen verloren hat, weiß wie schlimm es ist, auf ein Begräbnis verzichten zu müssen und in Isolation zu trauern. Darum war mir dieser Auftrag eine besondere Herzensangelegenheit. Die Familie des Portraitierten bestellte für die nachgeholte Abschiedsfeier im Andenken an den verstorbenen Vater Windlichter und Servietten mit seinem Portrait, um die Festtafel zu schmücken.

Halt geben

Bei der konfessionslosen Willkommensfeier dieses Buben entstanden viele Fotos. Leider konnte sein Onkel an der Feier nicht teilnehmen. Um ihm dafür zu danken, dass er die Rolle des Lebenspaten übernommen hat, schenkten ihm die Eltern dieses Portrait, auf dem das Kind von Erwachsenenhänden getragen und geführt wird. Die Annahme, dass die Hände von Mama und Papa im Bild zu sehen sind, ist richtig und naheliegend, aber da die Gesichter der Eltern nicht abgebildet sind, werden die "anonymisierten" Hände zum Symbol für das Versprechen des Paten, diesem Kind Halt zu geben in der Welt, wenn die Eltern dieser Aufgabe nicht nachkommen können.

Nostalgie für die Ohren

Für meine liebe Kollegin, die Sängerin und Liedermacherin Margot Selina Wendt, durfte ich Ohrringe mit dem Hochzeitsportrait ihrer Eltern anfertigen. Wir haben uns im März 2020 auf der Seelenfrieden, einer Messe für alternative Bestattungskultur, kennengelernt. Margot bietet nämlich auch individuelle Trauerandenken an, aber ihr Medium ist die Musik. Wie sie die Ohrringe mit dem Hochzeitsbild meiner Großeltern gesehen hat, meinte sie: "warum warten, bis jemand stirgt, so ein Andenken möcht' ich vorher schon haben." Die Ohrringe trägt sie jetzt selbst und die Zeichnung hat sie ihren Eltern geschenkt – wunderbare Idee, find ich!

Unbunt

Junge Eltern mit ihrem ersten Baby. Eigentlich könnte das ein ganz normales Familienportrait sein, wäre es nicht als Trauerandenken an eine Tochter entstanden, die mit einer Krankheit ohne Überlebenschancen zur Welt kam. Das Bild von einer glücklichen Familie – ohne Farben – wird zum Symbol für eine Elternschaft – ohne Kind. Mutter und Vater werden sich ewig daran erinnern, wie sich die Liebe zu ihrer Tochter angefühlt hat, aber das volle Spektrum dieser Erfahrung bleibt ihnen seit dem frühen Tod ihres Kindes verwehrt.

Zeitebenen

Die Auftraggeberin dieses "mehrschichtigen" Portraits wollte ihre kürzlich verstorbene Großmutter im Bild wieder vereinen mit ihrem Opa, der bereits mehrere Jahre zuvor gestorben war. Im Bild werden zwei Zeitebenen überblendet: Den Hintergrund bildet eine farbige, lavierte Tuschezeichnung vom Großelternpaar im höchsten Alter, das sie jeweils erreicht hatten. So waren die Großeltern ihren Angehörigen noch gut in Erinnerung. Im Vordergrund, direkt auf das Glas des Objektrahmens geklebt, befindet sich die zweite, in schwarz-weiß gehaltene Zeitebene der 1960er Jahre. Sie zeigt die Großeltern in jungen Jahren. Insgesamt bilden hier also vier einzelne Fotoaufnahmen einen neuen Zusammenhang.

Existenzanalyse

Zum Geburtstag und Abschluss seiner Ausbildung erhielt der angehende Psychotherapeut links im Bild eine Zeichnung, die ihn in einem fiktiven Gedankenaustausch mit den führenden Theoretikern seiner Psychotherapie-Richtung im Wiener Café Sperl zeigt. Viktor Frankl, der Gesprächspartner in der Mitte, ist schon lange tot, sodass das Gespräch in der Realität so nie stattfinden könnte. Das Bild ist somit im wahrsten Sinn des Wortes eine designte, weil erfundene Erinnerung.

Polterabend

Die Mädelsrunde wollte die Braut mit einem Fotobuch vom Polterabend überraschen. Ich durfte das Buch layoutieren und ein Portrait vom Brautpaar zeichnen, das nicht nur den Bucheinband ziert sondern auch als Hochzeitsgeschenk Eindruck machte. Die Fotos im Buch sind in 10 Kapitel gegliedert, die jeweils einem Gedicht bzw. einer Aufgabe entsprechen, die die Braut während des Polterns absolvieren musste.

Bildhauer

2015 verstarb plötzlich ein Freund meiner Mutter. Gemeinsam halfen wir seiner über 80-jährigen Mutter bei der Organisation des Abschieds. Da er seinen Körper der Anatomie gespendet hatte, gab es keinen Sarg bei der Beerdigung. Stattdessen haben wir sehr persönliche Abschiedstexte verfasst und vorgetragen. Als stilgerechte Würdigung für einen bildenden Künstlerkollegen durfte ich seinen visuellen Lebenslauf beitragen. Dieser Lebenslauf fand sich auch als zentrales Gestaltungselement auf der Sterbenachricht und auf Gedenkkerzen bei der Abschiedsfeier. Zudem zierte er das Cover eines Fotobuchs, das die Abschiedszeremonie in seiner Heimatgemeinde sowie die öffentliche Gedenkfeier am Wiener Zentralfriedhof dokumentierte, die vom Anatomischen Institut der Universität Wien organisiert wurden. Auch ein sehr individuelles Sterbebildchen entwarf ich, das in der Kirche und am Friedhof an die Trauergäste verteilt wurde.

Milchsternchen

2016 durfte ich wichtige Stationen im Leben des Botanikers und ehemaligen Leiters des Linzer Biologiezentrums, Dr. Franz Speta, in eine Portraitgrafik zusammenfassen. Im Zentrum steht der von ihm selbst gezeichnete Zwiebelquerschnitt einer Blume, die er als erster wissenschaftlich beschrieben und nach seiner Frau benannt hat: das Milchsternchen "Prospero Elisae"... Wie romantisch!

Herzlichen Dank für die Wertschätzung an Elise Speta! Sie hat meinen visuellen Lebenslauf ihres verstorbenen Mannes nun auch öffentlich zugänglich gemacht – und zwar über den virtuellen Friedhofsführer am Barbara-Friedhof in Linz. Das Erinnerungsprojekt friedhofsfuehrer.at ist unbedingt einen Klick wert. Besonders empfehlenswert für Leute, die gern auf Friedhöfen spazieren gehen und dabei mehr über das Leben prominenter Verstorbener erfahren möchten.

Mein Bruder

Mein Halbbruder starb bei einem Autounfall als Beifahrer noch an der Unfallstelle. Als mir mein Vater am nächsten Morgen die schockierende Nachricht überbrachte, verlor er nicht viele Worte. Er bat mich lediglich, ein Bild als Andenken zu zeichnen. Mein Halbbruder war erst 19 Jahre alt, weshalb der Fokus weniger auf vielen verschiedenen Lebensstationen lag, sondern vielmehr auf unterschiedlichen Facetten seiner Persönlichkeit: dem schelmischen Gamer, dem tierlieben Sohn und dem jungen Mann, der dabei war, erwachsen zu werden. Dass es meinem Vater so wichtig war, dieses Porträt zu erhalten, und dass ich dadurch bereits mehrfach Sterbefälle mit Bildern begleitet hatte, war wohl ausschlaggebend für meine Entscheidung, meine Art der Porträtzeichnung als Dienstleistung anzubieten, sodass auch andere Menschen auf diese Weise ihre Erinnerungen bewahren können.

Oma kocht

Die Beziehung zu meiner Oma war immer etwas schwierig. Als sie demenzkrank wurde und sich ihre Persönlichkeit Schritt für Schritt aufzulösen begann, erhielt ich erstmals die nötige Distanz, um mich mit ihrer Biografie wertfrei auseinanderzusetzen. Man könnte diesen gezeichneten Lebenslauf auch als späten Akt des Mitgefühls für ihr trauriges Schicksal bezeichnen – ein Mitgefühl, dass ich ihr davor, als sie noch bei klarerem Bewusstsein war, nie schenken konnte, weil unsere Gespräche so oft im Streit geendet hatten. In der linearen Anordnung sieht man sie als Schulkind, als junges Mädchen im kleinbäuerlichen Nachkriegsmilieu, als junge Diätköchin in Vorarlberg, am Hochzeitsfoto, mit meiner Mutter und mir als Kindern, mit meinem Großvater nach 40 Jahren Ehe und schließlich im alzheimerbedingten Wachkoma, in dem sie fast 15 Jahre Ihres Lebens verbringen musste.

Blinder Fleck

Mein erster visueller Lebenslauf entstand für die verstorbene Großmutter meines damaligen Partners. Die geplante, minimalistische Abschiedsfeier im engsten Familienkreis schien mir der Persönlichkeit dieser lieben Frau, die ich sehr ins Herz geschlossen hatte, nicht gerecht zu werden. Daher sichtete ich ihren Fotonachlass und wählte einige repräsentative Bilder aus ihren acht Lebensjahrzehnten aus. Darunter waren bezaubernde historische Schwarz-Weiß-Fotografien aus ihrer Jugend genauso wie ein Bild, das wir in ihren letzten Wochen im Krankenhaus während unserer regelmäßigen Besuche gemacht hatten. Nach einigem Überlegen beschlossen wir, nicht ein einzelnes Bild für die Sterbenachricht auszuwählen, sondern alle wichtigen Episoden in die Bleistiftzeichnung einfließen zu lassen. Mir war wichtig, den Angehörigen in Erinnerung zu rufen, dass das Leben der Verstorbenen aus mehr bestanden hatte als bloß ihrer zunehmenden Erblindung und daraus resultierenden Hilfsbedürftigkeit im Alter. Die Zeichnung lieferte quasi das Bildmaterial zu den vielen Erzählungen und Gesprächen über ihr Leben, die wir mit ihr geführt hatten. Mein Honorar für diese Arbeit wurde schließlich sogar von der Sterbeversicherung als Teil der Begräbniskosten übernommen, was ich als erfreuliche Geste der Anerkennung betrachtete.