Komplementär

2024 veranstaltete ich bei den Tagen der offenen Ateliers erstmalig eine Nusstobola. Was das ist? Ganz einfach: Große und kleine Gäste sammeln während des offenen Atelierwochenendes gemeinsam Wal- und Haselnüsse im Obstgarten und geben eine Schätzung ab, wieviele Nüsse an den beiden Tagen zusammenkommen. Das Paar in der Zeichnung lag mit seiner Schätzung am nähesten dran und gewann deshalb diese Portraitzeichnung. Danke, ihr lieben Eichhörnchen, für eure Hilfe beim Sammeln! So spart ihr mir Zeit bei der Gartenarbeit, die ich dafür in euer persönliches Kunstwerk investieren kann. Klingt nach einem guten Deal oder? Noch dazu habe ich so die willkommene Gelegenheit, ohne Termindruck neue Stile auszuprobieren. Sollten wir in den kommenden Jahren unbedingt wiederholen, diese Nusstombola!

Spiegelungen

Nach dem Tod seines Vaters wünschte sich ein Freund von mir ein Abschiedsportrait und eine dazu passende Urne. Seine Gestaltungsidee hat mich sofort fasziniert: Die Kinder und Lebenspartnerin spiegeln sich in der Brille des verstorbenen Papa. So hat er sie immer im Blick. Eine sehr tröstliche Vorstellung, egal wie man sie auslegt: als Würdigung eines umsichtigen Vaters, den man entweder hatte oder sich zumindest sein Leben lang gewünscht hätte; als Schutzengel, der aus dem Jenseits über seine Liebsten wacht; oder als Sinnbild dafür, dass wir nie ganz unabhängig wir selbst sind, sondern stets von unseren engsten Beziehungen geprägt werden. Diese Beziehungen sind wechselseitig. Sie betreffen jeden von uns, ob wir wollen oder nicht, und gewinnen nach dem Tod sogar noch an Bedeutung. Denn der Verstorbene kann keinen Einfluss mehr darauf nehmen, welches Bild wir von ihm behalten. Es bleibt auf diesem letzten Stand eingefroren als Erinnerung und lässt sich nur mehr verändern, indem wir es durch eine andere Brille betrachten. Dementsprechend liegen die kleinen Portraits auf der Brille auch auf einer separaten Ebene aus Transparentpapier, die man nach Wunsch entfernen oder austauschen könnte.

Im Kreis der Familie

In diesem epischen Familienportrait habe ich Bleistifte und Buntstifte so kombiniert, dass die Eltern und Geschwister des Paares alle mit aufs Bild konnten, ohne dass das Motiv allzu unübersichtlich wird. In enger Umarmung steht das Auftraggeberpaar im Mittelpunkt, flankiert jeweils von ihrem jüngeren Ich und eingebettet in den sprichwörtlichen Kreis ihrer Familien. Die Mehrzahl der abgebildeten Angehörigen ist jedoch bereits verstorben. Der offene Kreis wird symbolisch von den Händen des kinderlosen Paares zusammengehalten.

Unser Gartenhaus

Als ein 90. Geburtstag in der Familie anstand, bestellte eine bestehende Kundin wieder ein Geschenk aus dem Atelier für Erinnerungsdesign. Zu sehen sind darauf der aktive Jubilar und seine beiden Töchter an ihrem Lieblingsort, einer urigen Waldhütte, die er vor ca. 60 Jahren gekauft und aufgepäppelt hatte. Auch die Auftraggeberin hatte dort schon viele, schöne Kurzurlaube verbracht. Inspiriert von den Visuellen Lebensläufen auf meiner Webseite entschied sie sich für eine Montage aus verschiedenen Epochen. Hauptmotiv am linken Rand ist der Jubilar in seiner aktuellen Erscheinung. Hinter ihm auf der Veranda sitzt sein jüngeres Alter Ego zusammen mit einer seiner beiden Töchter im Alter von etwa Mitte 20. Mit ihr war er zum ersten Mal in Afrika auf Safari, als sie erst 11 war. Von diesem Urlaub stammt sein Portrait in der Mitte. Dieselbe Tochter sehen wir rechts als erwachsene Frau und nun Mitte 60 mit ihrem geliebten Pferd. Die andere Tochter im Zentrum des Bildes strahl eine Aura von Grande Dame aus, während sie ihrem Vater aus jungen Jahren herzlich die Hand auf die Schulter legt.

Marlene Style

Marlene, die als Sängerin mit ihrer Gitarre beim offenen Atelier 2024 mitwirkte, bat sich als "Naturalhonorar" eine Zeichnung vom Atelier für Erinnerungsdesign aus. Ohne bindenden Auftrag hatte ich hier mal wieder Gelegenheit zu experimentieren: Die Schattierungen und Höhungen auf grauem Papier machen das Portrait besonders lebendig, wie ich finde. Hört ihr die Musik?

Sail on, happy cat!

Posthum habe ich meinen Vater in diesem Neusiedlersee Panorama eingefügt. Das Bild hing als reines Landschaftsgemälde jahrelang in seinem Arbeitszimmer, da der Neusiedlersee sein Lieblingsort zum Segeln war. Für mich ist es nun nicht mehr bloß Erinnerung an einen wunderbaren Ort, sondern auch an unsere gemeinsamen Bootstouren. Sail on Happy Cat!

Iris & Olgierd

Wären Sie manchmal gern ein Held? Oder eine Figur aus einem Film, einem Märchen, einem ikonischen Werk der Kunstgeschichte oder – wie hier – aus einem Computerspiel? Dieses junge Paar wollte ein repräsentatives Gemälde von sich in den Rollen von Iris und Olgierd von Everec aus dem Spiel „The Witcher 3“. Der große Wandsafe in Ihrer neuen Wohnung sollte damit dekorativ verdeckt werden. In so einem witzigen Gemälde können Sie Ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Die dargestellten Personen werden zu Komplizen. Cosplay und postmodernes Zitat in einem! Mit Sicherheit sorgt so ein Bild auch für Gesprächsstoff mit Gästen ... 

Holzbiene

Wieder ein runder Geburtstag, wieder eine Karikatur! Auch wenn der Jubilar in diesem Fall als eher bescheiden charakterisiert wurde, so gibt die Zeichnung dennoch viele interessante Details über ihn preis: von Beruf Tischler, aus Leidenschaft Drechsler und Bastler, ganz generell: ein Holzwurm eben, zudem Imker, Tennisspieler und sogar Schauspieler im örtlichen Laientheater. Auch sein roter Kater gratuliert zum runden Geburtstag!

Frau Bürgermeister

Die Tochter des langjährigen Bürgermeisters wollte mit dieser Zeichnung ihrer Mutter, die stets im Schatten ihres Mannes gestanden hatte, Anerkennung und Aufmerksamkeit schenken. Die Mutter, mittlerweile demenzkrank und im Altersheim, erhielt die Zeichnung als Geburtstagsgeschenk. Beim Überreichen des Bildes gingen wir die Lebensstationen auf der Zeichnung mit der Jubilarin gemeinsam durch. Sie wirkte neugierig und ergriffen, auch wenn sie wohl nicht mehr alles wiedererkannt hat. Für die Geschwister der Auftraggeberin durfte ich vier Reproduktionen der Originalzeichnung anfertigen. Das Motiv der Zeichnung ist außerdem als Gestaltungselement für die Sterbenachricht der Mutter vorgesehen, sobald der Zeitpunkt gekommen ist.

Das letzte Bild

Ich denke, für viele Menschen ist es ein unausgesprochenes Tabu, Fotos von Kranken und Sterbenden zu machen. Gleichzeitig wird einem in so einer Situation aber bewusst, dass es vielleicht die letzte Erinnerung sein wird, die uns von unseren Liebsten bleibt. Das macht den Moment und den Anblick kostbar und schrecklich zugleich. Ein Kunstwerk bietet gegenüber einem Foto hier eine gewisse Überhöhung und vermag so die Wucht abzumildern, die der Anblick beim Betrachten ausübt. Können wir den Moment des Abschieds auf diese Weise würdigen anstatt verdrängen? Wie sehen Sie das?

Familie in Graustufen

Zunächst konnte sich die Auftraggeberin dieses Bildes nicht entscheiden, welche der beiden Fotovorlagen geeigneter wäre, also bestellte sie schließlich zwei Bilder in unterschiedlichen Techniken, um sie miteinander vergleichen zu können. Eines in Farbe als Geschenk für die eigene Familie und eines in Graustufen für die Schwiegereltern. Als Vorlage dienten Urlaubsfotos zusammen mit dem Hund.

Familie in Farbe

Zunächst konnte sich die Auftraggeberin dieses Bildes nicht entscheiden, welche der beiden Fotovorlagen geeigneter wäre, also bestellte sie schließlich zwei Bilder in unterschiedlichen Techniken, um sie miteinander vergleichen zu können. Eines in Farbe als Geschenk für die eigene Familie und eines in Graustufen für die Schwiegereltern. Als Vorlage dienten Urlaubsfotos zusammen mit dem Hund.

Kardiogramm

Beim Offenen Atelier 2023 freute ich mich, eine liebe Bekannte und Kundin als Besucherin begrüßen zu dürfen. Doch als sie mir erzählte, dass ihr noch ziemlich junger Mann im Sommer zuvor ganz plötzlich verstorben war, waren wir beide den Tränen nahe. Ich hatte das letzte Bild meiner ehemaligen Schwiegeroma ausgestellt, und als sie es sah, bat sie mich spontan, auch ein solches Bild für sie anzufertigen. Als Vorlage dienten Fotos von einem sehr berührenden Moment zwischen den beiden auf der Intensivstation. Ich danke ihr von Herzen für ihr Vertrauen, dass ich dieses heftige Erlebnis in einem Kunstwerk festhalten durfte!

Opas Garten

Wenn eigene Familienangehörige zu Palliativpatienten werden, hat man es deswegen nicht leichter, nur weil man selbst in einem mobilen Palliativteam arbeitet. Zumindest kannte die Auftraggeberin dadurch bereits unterschiedliche Angebote zum Thema Abschied. Nachdem ihr Vater verstorben war, wollte sie Erinnerungsdesign persönlich ausprobieren und bestellte eine Zeichnung zum Trost für ihre Mutter. Als Vorlage wählte sie ein Foto von einem glücklichen Moment zwischen ihren beiden Kindern und ihrem Vater, aufgenommen während einem der regelmäßigen Besuche in Opas Garten. Besonders berührt hat sie, wie cool es ihre Kinder fanden, sich selbst in der Zeichnung wiederzuerkennen, obwohl sie inzwischen schon einige Jahre älter waren als auf dem Foto.

Wiedersehen

Dieses Buntstiftportrait war ein Geschenk einer jungen Frau an ihren Mann unmittelbar nach dem Tod seiner Großmutter. Beim Begräbnis hatte er kaum Emotionen gezeigt, doch seine Frau wusste, dass die Oma für ihn stets eine wichtige Bezugsperson war. Sie hatten geplant, die Großmutter noch einmal mit ihren beiden Kindern zu besuchen, doch aufgrund des zunehmend schlechteren Gesundheitszustands kam es leider nicht mehr zu diesem Treffen. Auf Papier ließ sich der Moment jedoch nachholen. Als Vorlage für die Zeichnung musste die Auftraggeberin dafür als „Double“ der Schwiegeroma einspringen und ein Foto mit ihren Kindern in der richtigen Haltung nachstellen.

Taufkerze

Diese Zeichnung von der ganzen Familie entstand anlässlich der Taufe des jüngsten Sohnes. Die Zeichnung wurde digitalisiert und auf eine große Blockkerze mit 2 Dochten übertragen. Die Auftaggeberin und Oma des Täuflings überreichte die Kerze als Geschenk und konnte sich die Zeichnung zur Erinnerung selbst aufhängen.

Heilige Ordnung

Nach dem plötzlichen Tod meines Vaters stand ich vor der Aufgabe, sein Haus auszuräumen. Es war voll von allem Möglichen: alten Verpackungen, kaputten Elektrogeräten, alten Fahrrädern und Bauteilen, die er als wertvolle Rohstoffe zum Basteln aufbewahrt hatte. Besonders schwer fiel mir das Entrümpeln seiner Werkstatt, denn dort hatten wir oft gemeinsam Reparaturen vorgenommen und über technische Probleme gefachsimpelt. Mein Vater hatte sich gegen das Aufräumen immer gewehrt und nannte sein Chaos in einem Ehrfurcht gebietenden Ton in reinster steirischer Hochlautung: "die heilige Ordnung". Wenn er etwas Bestimmtes suchte, wusste er genau, wie wieviele Schichten er abgraben musste, um es schließlich zutage zu befördern. Diese "heilige Ordnung" durfte ihm auch niemand durch wohlmeinende Aufräumversuche durcheinander bringen! Das Stilleben in der Garage war also mit der Identität meines Vaters so verwoben, dass ich es nicht einfach zerstören wollte. Da es an Ort und Stelle aber nicht bleiben konnte, übertrug ich es auf Papier und zeichnete meinen Vater mitten hinein in sein eigenes, göttliches Gefüge.

Motorrad

Hier sehen wir das Portrait eines Motorradfahrers in Schwarz-Weiß, im Hintergrund das prächtige Bergpanorama am Schiederweiher in Hinterstoder – ebenfalls in Schwarz-Weiß. Nur das chromglänzende Motorrad mit seiner markanten grünen Lackierung ist in Farbe ausgeführt, wodurch es eindeutig zum zentralen Bildelement wird. Nicht, dass der bewundernde Blick irrtümlich in die Landschaft abschweift ; ) Die Auftraggeberin organisierte zudem einen eindrucksvollen Eichenholzrahmen und das Geschenk für ihren Motorrad fahrenden Freund war komplett.

Jagdgefährten

Ein repräsentatives Bild musste her, als der Vizebürgermeister seinen runden Geburtstag feierte! Also haben wir ihn als Jäger im Trachtengewand aus seinem eigenen Trachtenmodengeschäft mit Hut und eindrucksvollem Gamsbart dargestellt. Das Wappentier seiner Gemeinde stärkt ihm als Jagdfalke den Rücken, während sein Jagdhund verblüfft denkt: "Komischer Vogel, sowas hab ich ja noch nie gesehen!"

Traum[a]

Die Auftraggeberin bat mich, einen visuellen Lebenslauf für ihre 2009 ermordete Schwester anzufertigen. Als Vorlage verwendete ich Fotos, die mir bereits aus einem früheren Projekt , dem Erinnerungsbuch, vertraut waren. 13 Jahre zuvor hatte ich unmittelbar nach dem Vorfall eng mit der Auftraggeberin zusammengearbeitet, um ein Gedenkbuch mit Fotos aus den Leben ihrer Schwester und Nachrufen über sie herauszugeben. Nun wünschte sie sich zusätzlich eine Zeichnung, die als Weihnachtsgeschenk für ihre Eltern gedacht war und das Gedenkbuch ergänzen sollte.

Chamäleon

Wie die Personen im Motiv angeordnet sind, gibt Auskunft über ihr Verhältnis zueinander. Eine kleine Handgeste oder ein Blick machen dabei oft einen großen Unterschied. Bei diesem Auftrag zeichnete ich jede Person auf ein separates Blatt. Dadurch können Betrachter die Figuren selbst umgruppieren, um unterschiedliche Konstellationen durchzuspielen oder um Ihren Verlust zu verdeutlichen, indem Sie Verstorbene aus dem Bild nehmen. Andererseits ist das nützlich, wenn Angehörige nicht einer Meinung sind, wer mit wem abgebildet werden soll. Möglich wird das in diesem Bild durch geschickt platzierte Hände, die in unterschiedlichen Kombinationen verschiedenen Personen zu gehören scheinen. Auch der Hintergrund kann bei dieser Darstellungsvariante jederzeit nach Belieben variiert werden.

Pfadis

Als diese beiden Gruppenleiter ihre Aufgabe an jüngere Pfadfinder übergaben, erhielten sie als Abschiedsgeschenk zum Dank von ihren Kollegen ein gemeinsames Lineart Portrait. Dementsprechend ziert die Pfadfinderlilie den rechten unteren Bildrand. Damit jeder sein bzw. ihr Bild mit nach Hause nehmen konnte, gab es das Motiv in zweifacher Ausführung, beides handgezeichnete Originale.

Loss da nix gfoin

Auf diesem Geburtstagsgeschenk für einen Katzenpapa ist der Jubilar [rechts] vereint mit seinem Enkelsohn, seinem verstorbenen Vater [links] und zwei seiner Lieblingsmiezen zu sehen. Auch sie schnurren bereits in den ewigen Jagdgründen. Der Ausspruch "loss da nix gfoin!" war ein typischer Leitsatz in der Familie und gilt natürlich auch für den Jüngsten.

Zwiebelprinzip

Bei diesem Generationenportrait vom verstorbenen Großvater mit seinem Sohn, der selbst kürzlich Vater geworden ist, mit dem Babysohn bzw. Enkel, muss ich immer an eine Matrioschka denken – nur eben die männliche Variante davon. Faszinierend, wie sich das Leben aus sich selbst heraus verjüngt und welchen Schutz und Anker uns die vorangegangenen "Schichten der Lebenszwiebel" bieten. Zum Weinen schön, der Gedanke ; )

Verlobung

Dieser Mann erhielt von seiner Zuküftigen ein Verlobungsgeschenk mit emotionalem Mehrwert. Auf dem Bild steht er im Mittelpunkt zwischen den beiden wichtigsten Frauen in seinem Leben: seiner Mutter und seiner Braut. Doch die Beziehung zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter kann nur symbolisch am Papier stattfinden, da die Mutter früh verstorben ist und sich die beiden somit nie persönlich kennenlernen konnten.

Vereint am Papier

Miriam hatte den Herzenswunsch ein gemeinsames Bild von ihren kleinen Zwillingen, ihrem dreijährigen Sohn und ihrem vor 15 Jahren verstorbenen Papa zu haben – eine klassische Aufgabenstellung für Erinnerungsdesign, die sich mit den Möglichkeiten der Fotografie so nicht mehr realisieren lässt. Die Kundin war sprachlos vor Glück, als sie die Bleistiftzeichnung zum ersten Mal sah.

Galloway

Janette [links im Bild] wollte ihrem Bruder [rechts] ein besonderes Geburtstagsgeschenk machen: Ihr Vater [Mitte] war plötzlich verstorben, als sie erst 21 und ihr Bruder 24 Jahre alt waren. Leider gab es kein gemeinsames Foto von den Dreien im Erwachsenenalter. Daher setzten wir aus Einzelfotos ein Motiv zusammen, das die Drei zusammen mit der kleinen Nichte der Kundin in einer liebevollen Umarmung zeigt. Der Vater war Züchter von Galloway Rindern, wie man an seinem Hemd erkennen kann. Die Geschwister führen den Hof nun alleine weiter.

Schwammerlzucht

Ferdl wurde zum runden Geburtstag von seiner Familie mit einem Transparent vor dem Haus überrascht. Darauf prostet uns der ehemalige Fußballer aus seiner Schwammerlzucht heraus zu, als wäre er mit seinem Hobby bereits verwachsen. Karikaturen wie diese sind eine charmante Möglichkeit um charakteristische Wesenszüge und Vorlieben einer Person ins Rampenlicht zu rücken – oder jemanden dezent dafür zu necken. Individuellere Geschenke gibt's fast nicht!

Motorsport-Dynastie

Bei diesem Projekt ging es wieder um einen früh verstorbenen Vater. Die Kundin schenkte ihrem Mann [rechts im Bild] eine Zeichnung, die ihn im Rennanzug mit ihrem gemeinsamen Sohn im Arm neben seinem verlorenen Vater [links] zeigt. Von ihm hat er bereits in jungen Jahren die Leidenschaft für den Motorsport geerbt und wird sie wohl an die dritte Generation weitergeben.

Adventkalender

Um das Weihnachtsgeschäft trotz Pandemie etwas anzukurbeln, rief die digitale Offensive für Einzelunternehmer des Landes Niederösterreich Wir sind 1 einen virtuellen Adventkalender ins Leben. Zwischen 1. und 24. Dezember präsentierte sich täglich ein Unternehmen in einem eigenen Facebook-Posting und verloste jeweils ein Produkt im Wert von € 100,- unter den Kommentatoren. Das Atelier für Erinnerungsdesign war am 6. Dezember an der Reihe. Zu gewinnen gab es eine original Bleistiftzeichnung, die rechtzeitig zu Weihnachten übergeben wurde.

Opa posthum

Wenn ein Leben endet und ziemlich zeitgleich in derselben Familie neues Leben entsteht, beschert das manchen von uns eine Gänsehaut ... Dieses fiktive Portrait zeigt den zu früh verstorbenen Großvater mit seinen Enkelkindern im Arm, die er zu Lebzeiten nicht mehr kennenlernen konnte. Das Bild wurde als Geschenk für die Generation dazwischen bestellt.

Herzlich verbunden

Drei Generationen auf einem Hochzeitsbild vereint: das Paar, Bruder und Eltern der Braut sowie ihre Großeltern mütterlicher- und väterlicherseits. In der Realität war das leider unmöglich, weil manche Personen schon verstorben waren oder aufgrund einer Trennung nicht mehr an Familienfesten teilnehmen. In der Fantasie und auf dem Papier lassen sich Menschen zusammenführen, die im Herzen für immer verbunden sind. Wer mag, kann die Personenanordnung als Herz deuten ... Oder die floristischen Trends über die Jahrzehnte vergleichen. Die Zeichnung ging an den Brautvater als Geschenk zu dessen 60. Geburtstag.

Malermeister

Wer im Corona Lockdown einen lieben Menschen verloren hat, weiß wie schlimm es ist, auf ein Begräbnis verzichten zu müssen und in Isolation zu trauern. Darum war mir dieser Auftrag eine besondere Herzensangelegenheit. Die Familie des Portraitierten bestellte für die nachgeholte Abschiedsfeier im Andenken an den verstorbenen Vater Windlichter und Servietten mit seinem Portrait, um die Festtafel zu schmücken.

Weibliche Linie

Diese Bilderserie holt drei Generationen einer Familie auf eine Bildebene: Groß­mut­ter, Mutter und (Enkel-)Tochter. Die Portraitierten erleben sich dadurch als zusammengehörig und aufeinander bezogen. Die Gegenüberstellung verdeutlicht ihre jeweilige Rolle in einer Generationenfabolge, die unendlich lange vor ihnen begonnen hat und sich auf der anderen Seite des Betrach­tungs­ausschnitts auch weiter fortsetzen kann – wie drei einzelne Frames in einem „Film des Lebens“. Die Portraitierten können die drei Einzelblätter beliebig zueinander anordnen und sich so gleichsam in die ande­ren beiden Rollen hineindenken.

Tango mit Wappentier

Anlässlich seines Pensionsantritts erhielt der scheidende Amtsleiter vom versammelten Gemeinderat eine Karikatur auf Leinwand als Abschiedsgeschenk. Darauf sieht man den passionierten Hobbytänzer in dramatischer Tangopose mit dem Wappentier der Ortschaft tanzen. Der Greif trägt ein Kleid in den Farben und mit dem Muster des Wappens. Der Amtsleiter hält in Anlehnung an das Wahrzeichen der Mostviertler Gemeinde – einer Birnenskulptur aus Beton – einen Birnenzweig anstelle einer Rose im Mund. Bleibt zu hoffen, dass die echte Tanzpartnerin des Amtsleiters a.D. die Zeichnung mit Humor nimmt...

Hunde mit Persönlicheit

Auch von Haustieren kann man Karikaturen zeichnen, wie man hier sieht. Die Rudelmitglieder sind mit Attributen dargestellt, die jeweils für sie typisch sind: eine clevere Hündin mit der Brille ihrer Besitzerin, ein gefräßiger Artgenosse und ein Hund, der vom Anknabbern der Weihnachtsdeko Glitzer um die Schnauze hat – das Bild war übrigens ein Weihnachtsgeschenk. Der bereits verstorbene Golden Retriever der Familie kam natürlich auch mit aufs Bild.

Halt geben

Bei der konfessionslosen Willkommensfeier dieses Buben entstanden viele Fotos. Leider konnte sein Onkel an der Feier nicht teilnehmen. Um ihm dafür zu danken, dass er die Rolle des Lebenspaten übernommen hat, schenkten ihm die Eltern dieses Portrait, auf dem das Kind von Erwachsenenhänden getragen und geführt wird. Die Annahme, dass die Hände von Mama und Papa im Bild zu sehen sind, ist richtig und naheliegend, aber da die Gesichter der Eltern nicht abgebildet sind, werden die "anonymisierten" Hände zum Symbol für das Versprechen des Paten, diesem Kind Halt zu geben in der Welt, wenn die Eltern dieser Aufgabe nicht nachkommen können.

Szenen [vor] einer Ehe

Die Frage "Wie habt ihr euch kennengelernt?" lässt sich witzig und übersichtlich durch eine Bildgeschichte beantworten. Diese Darstellungsart ist besonders vorteilhaft, wenn das – wie bei einer Hochzeit – viele Leute gleichzeitig erfahren möchten. Das Bild kann als Gestaltungselement zum Beispiel auf Einladungen oder Menükarten in eine Hochzeitsfeier eingebunden werden. Gemeinsame Erinnerungen so zu verewigen, ist nicht nur ein ausgefallenes Hochzeitsandenken sondern wirkt auch sehr berührend, wenn man es vom eigenen Partner bzw. der Partnerin zum Jahrestag geschenkt bekommt. Als Vorlage dienen Fotos und ein Gespräch über die Meilensteine der Beziehung.

Nostalgie für die Ohren

Für meine liebe Kollegin, die Sängerin und Liedermacherin Margot Selina Wendt, durfte ich Ohrringe mit dem Hochzeitsportrait ihrer Eltern anfertigen. Wir haben uns im März 2020 auf der Seelenfrieden, einer Messe für alternative Bestattungskultur, kennengelernt. Margot bietet nämlich auch individuelle Trauerandenken an, aber ihr Medium ist die Musik. Wie sie die Ohrringe mit dem Hochzeitsbild meiner Großeltern gesehen hat, meinte sie: "warum warten, bis jemand stirgt, so ein Andenken möcht' ich vorher schon haben." Die Ohrringe trägt sie jetzt selbst und die Zeichnung hat sie ihren Eltern geschenkt – wunderbare Idee, find ich!

Unbunt

Junge Eltern mit ihrem ersten Baby. Eigentlich könnte das ein ganz normales Familienportrait sein, wäre es nicht als Trauerandenken an eine Tochter entstanden, die mit einer Krankheit ohne Überlebenschancen zur Welt kam. Das Bild von einer glücklichen Familie – ohne Farben – wird zum Symbol für eine Elternschaft – ohne Kind. Mutter und Vater werden sich ewig daran erinnern, wie sich die Liebe zu ihrer Tochter angefühlt hat, aber das volle Spektrum dieser Erfahrung bleibt ihnen seit dem frühen Tod ihres Kindes verwehrt.

Kurzer Augenblick

Diese Radierung zeigt einen sehr innigen Moment zwischen einem Vater und seiner neugeborenen Tochter. Während all seine Aufmerksamkeit bei ihr ist und er in diesem geborgenen Moment vielleicht sogar wegzudösen scheint, wirkt sie wach und auf etwas konzentriert, das außerhalb des Bildausschnitts liegt. Was wir als Betrachter auf dem Bild nicht sehen, ist die lebensbedrohliche Krankheit des Mädchens, die sie nur wenige Wochen alt werden ließ. Für mich bringt dieses Motiv die unglaubliche Kraft und den Mut der Eltern zum Ausdruck, ihrem Kind die Zeit auf dieser Erde so angenehm und erträglich wie möglich zu machen, obwohl sie aufgrund der Diagnose gleichzeitig mit dem tiefen Schmerz zurecht kommen mussten, dass ihre kleine Tochter bereits dem Tod ins Auge sieht.

Sonnenuntergang

Das letzte gemeinsame Foto von meinem verstorbenen Vater und mir ist etwas Besonderes für mich. Dem wird die Alltagsästhetik von einem Selfie gar nicht gerecht. Deshalb wollte ich das Motiv mit einer besonders aufwendigen Technik – einer Radierung – zu Papier bringen. Ein Vorteile analoger Druckverfahren ist, dass sie hervorragend geeignet sind, um Kleinserien zu produzieren. So wird beispielsweise jede mit dieser Technik hergestellte Sterbenachricht zu einem wertvollen Unikat.

Zwillinge

Zum runden Geburtstag dieser Zwillingsschwestern war eine besondere Überraschung geplant, bei der ich auf Einladung von Renate Halbartschlager mitwirken durfte. Die digitalen Zeichnungen wurden jeweils auf Leinwand gedruckt und als Geburtstagsgruß vor den Häusern der Schwestern aufgestellt. Karikaturen wie diese sind zu jedem Anlass ein witziges Geschenk und können auf verschiedene Untergründe gedruckt werden.

Gästebuch zum 40er

Wer bei einer Geburtstagsfeier ein Gästebuch auflegt, kann das Stimmungsbild der Gäste und den Verlauf der Feier später wie in einem Logbuch nachvollziehen. Die Gäste können Texte, Zeichnungen und Fotos eintragen, während der Gastgeber im Nachhinein eigene Kommentare ergänzen und leere Seiten für weitere Fotos nutzen kann. So sind alle Erinnerungen an das Event kompakt gesammelt. Den Schmutzeinband dieses Gästebuchs ziert eine Karikatur des Jubilars.

Zeitebenen

Die Auftraggeberin dieses "mehrschichtigen" Portraits wollte ihre kürzlich verstorbene Großmutter im Bild wieder vereinen mit ihrem Opa, der bereits mehrere Jahre zuvor gestorben war. Im Bild werden zwei Zeitebenen überblendet: Den Hintergrund bildet eine farbige, lavierte Tuschezeichnung vom Großelternpaar im höchsten Alter, das sie jeweils erreicht hatten. So waren die Großeltern ihren Angehörigen noch gut in Erinnerung. Im Vordergrund, direkt auf das Glas des Objektrahmens geklebt, befindet sich die zweite, in schwarz-weiß gehaltene Zeitebene der 1960er Jahre. Sie zeigt die Großeltern in jungen Jahren. Insgesamt bilden hier also vier einzelne Fotoaufnahmen einen neuen Zusammenhang.

Konstellationen

Ein Familienportrait als Geschenk passt für viele Anlässe. Vor allem, wenn darauf endlich alle Familienmitglieder zusammen abgebildet sind. Selfiefotos von jedem einzeln gäbe es vielleicht, aber alle zusammen vor die Kamera zu bringen, ist schwieriger als gedacht. Für ein Portraitkunstwerk können einzelne Lieblingsfotos, die unabhängig voneinander entstanden sind, problemlos zusammen montiert werden. Auch solche, deren Bildqualität zum Ausdrucken ungeeignet ist. So können fehlende Personen auf einem Gruppenbild ergänzt oder neue bzw. fiktive Personenkonstellationen zusammengestellt werden.

Existenzanalyse

Zum Geburtstag und Abschluss seiner Ausbildung erhielt der angehende Psychotherapeut links im Bild eine Zeichnung, die ihn in einem fiktiven Gedankenaustausch mit den führenden Theoretikern seiner Psychotherapie-Richtung im Wiener Café Sperl zeigt. Viktor Frankl, der Gesprächspartner in der Mitte, ist schon lange tot, sodass das Gespräch in der Realität so nie stattfinden könnte. Das Bild ist somit im wahrsten Sinn des Wortes eine designte, weil erfundene Erinnerung.

Polterabend

Die Mädelsrunde wollte die Braut mit einem Fotobuch vom Polterabend überraschen. Ich durfte das Buch layoutieren und ein Portrait vom Brautpaar zeichnen, das nicht nur den Bucheinband ziert sondern auch als Hochzeitsgeschenk Eindruck machte. Die Fotos im Buch sind in 10 Kapitel gegliedert, die jeweils einem Gedicht bzw. einer Aufgabe entsprechen, die die Braut während des Polterns absolvieren musste.

Adam & Eva

Die Idee, für ihre Hochzeiteinladung ein Adam & Eva Motiv zu wählen, hatte das Brautpaar selbst. Ich durfte dazu die Buntstift-Illustrationen und das Layout gestalten: ein Aktportrait der beiden laut Foto, das während einem der ersten gemeinsamen Urlaube entstanden war, die fantastische Urwaldkulisse und die symbolträchtigen Feigen für die Rückseite der Einladung. Der Umschlag besteht aus Transparentpapier, sodass man das Paar durch die Blätter hindurch schon von außen erspähen kann. Bei der Hochzeitsfeier kam das Motiv schließlich mehrfach zum Einsatz: auf einer prächtigen Kerze mit Fackeldocht, die während der Zeremonie im Obstgarten entzündet wurde, als Caketopper auf der Hochzeitstorte, auf einem Kochbuch, das als Geschenk an die Gäste verteilt wurde und auf den Säckchen für die Candybar. Detail am Rande: Sogar bei der Gestaltung und Herstellung eines Wachsmodells für den Guss der Eheringe durfte ich die Braut unterstützen!

Bildhauer

2015 verstarb plötzlich ein Freund meiner Mutter. Gemeinsam halfen wir seiner über 80-jährigen Mutter bei der Organisation des Abschieds. Da er seinen Körper der Anatomie gespendet hatte, gab es keinen Sarg bei der Beerdigung. Stattdessen haben wir sehr persönliche Abschiedstexte verfasst und vorgetragen. Als stilgerechte Würdigung für einen bildenden Künstlerkollegen durfte ich seinen visuellen Lebenslauf beitragen. Dieser Lebenslauf fand sich auch als zentrales Gestaltungselement auf der Sterbenachricht und auf Gedenkkerzen bei der Abschiedsfeier. Zudem zierte er das Cover eines Fotobuchs, das die Abschiedszeremonie in seiner Heimatgemeinde sowie die öffentliche Gedenkfeier am Wiener Zentralfriedhof dokumentierte, die vom Anatomischen Institut der Universität Wien organisiert wurden. Auch ein sehr individuelles Sterbebildchen entwarf ich, das in der Kirche und am Friedhof an die Trauergäste verteilt wurde.

Milchsternchen

2016 durfte ich wichtige Stationen im Leben des Botanikers und ehemaligen Leiters des Linzer Biologiezentrums, Dr. Franz Speta, in eine Portraitgrafik zusammenfassen. Im Zentrum steht der von ihm selbst gezeichnete Zwiebelquerschnitt einer Blume, die er als erster wissenschaftlich beschrieben und nach seiner Frau benannt hat: das Milchsternchen "Prospero Elisae"... Wie romantisch!

Herzlichen Dank für die Wertschätzung an Elise Speta! Sie hat meinen visuellen Lebenslauf ihres verstorbenen Mannes nun auch öffentlich zugänglich gemacht – und zwar über den virtuellen Friedhofsführer am Barbara-Friedhof in Linz. Das Erinnerungsprojekt friedhofsfuehrer.at ist unbedingt einen Klick wert. Besonders empfehlenswert für Leute, die gern auf Friedhöfen spazieren gehen und dabei mehr über das Leben prominenter Verstorbener erfahren möchten.

Mein Bruder

Mein Halbbruder starb bei einem Autounfall als Beifahrer noch an der Unfallstelle. Als mir mein Vater am nächsten Morgen die schockierende Nachricht überbrachte, verlor er nicht viele Worte. Er bat mich lediglich, ein Bild als Andenken zu zeichnen. Mein Halbbruder war erst 19 Jahre alt, weshalb der Fokus weniger auf vielen verschiedenen Lebensstationen lag, sondern vielmehr auf unterschiedlichen Facetten seiner Persönlichkeit: dem schelmischen Gamer, dem tierlieben Sohn und dem jungen Mann, der dabei war, erwachsen zu werden. Dass es meinem Vater so wichtig war, dieses Porträt zu erhalten, und dass ich dadurch bereits mehrfach Sterbefälle mit Bildern begleitet hatte, war wohl ausschlaggebend für meine Entscheidung, meine Art der Porträtzeichnung als Dienstleistung anzubieten, sodass auch andere Menschen auf diese Weise ihre Erinnerungen bewahren können.

Code is poetry

Kaffee trinken im Gelben Krokodil in Linz. Eigentlich alles so wie immer. Nur, dass der Portraitierte gerade einen neuen Job als Codewrangler für WordPress bekommen hat, wie das Logo auf seinem T-Shirt verrät. Das hoffnungsfrohe Gefühl mit Blick nach vorn einen neuen Lebensabschnitt zu verkosten wie einen duftenden warmen Kaffee – festgehalten in einem ganz alltäglichen Moment.

Oma kocht

Die Beziehung zu meiner Oma war immer etwas schwierig. Als sie demenzkrank wurde und sich ihre Persönlichkeit Schritt für Schritt aufzulösen begann, erhielt ich erstmals die nötige Distanz, um mich mit ihrer Biografie wertfrei auseinanderzusetzen. Man könnte diesen gezeichneten Lebenslauf auch als späten Akt des Mitgefühls für ihr trauriges Schicksal bezeichnen – ein Mitgefühl, dass ich ihr davor, als sie noch bei klarerem Bewusstsein war, nie schenken konnte, weil unsere Gespräche so oft im Streit geendet hatten. In der linearen Anordnung sieht man sie als Schulkind, als junges Mädchen im kleinbäuerlichen Nachkriegsmilieu, als junge Diätköchin in Vorarlberg, am Hochzeitsfoto, mit meiner Mutter und mir als Kindern, mit meinem Großvater nach 40 Jahren Ehe und schließlich im alzheimerbedingten Wachkoma, in dem sie fast 15 Jahre Ihres Lebens verbringen musste.

Blinder Fleck

Mein erster visueller Lebenslauf entstand für die verstorbene Großmutter meines damaligen Partners. Die geplante, minimalistische Abschiedsfeier im engsten Familienkreis schien mir der Persönlichkeit dieser lieben Frau, die ich sehr ins Herz geschlossen hatte, nicht gerecht zu werden. Daher sichtete ich ihren Fotonachlass und wählte einige repräsentative Bilder aus ihren acht Lebensjahrzehnten aus. Darunter waren bezaubernde historische Schwarz-Weiß-Fotografien aus ihrer Jugend genauso wie ein Bild, das wir in ihren letzten Wochen im Krankenhaus während unserer regelmäßigen Besuche gemacht hatten. Nach einigem Überlegen beschlossen wir, nicht ein einzelnes Bild für die Sterbenachricht auszuwählen, sondern alle wichtigen Episoden in die Bleistiftzeichnung einfließen zu lassen. Mir war wichtig, den Angehörigen in Erinnerung zu rufen, dass das Leben der Verstorbenen aus mehr bestanden hatte als bloß ihrer zunehmenden Erblindung und daraus resultierenden Hilfsbedürftigkeit im Alter. Die Zeichnung lieferte quasi das Bildmaterial zu den vielen Erzählungen und Gesprächen über ihr Leben, die wir mit ihr geführt hatten. Mein Honorar für diese Arbeit wurde schließlich sogar von der Sterbeversicherung als Teil der Begräbniskosten übernommen, was ich als erfreuliche Geste der Anerkennung betrachtete.

Vatertag

Was schenkt man einem Vater, der selbst alles kaufen kann, was er braucht? Mein Vorschlag: Aufmerksamkeit und eine Reise in die wilde Jugend – kompakt zusammengefasst auf Papier! Das kann natürlich auch bunter ausfallen als auf diesem Beispiel ... Obendrein hat man dann beim Vatertagsbesuch auch gleich ein paar Geschichten oder Geständnisse zu erfragen ; )

Pilzkopf

Eines meiner frühen Werke in Buntstift. Bis dahin hatte ich eher Kohlezeichnungen gemacht. Heute, 20 Jahre später, freut es mich sehr, eine Portraitzeichnung von meiner ersten großen Liebe zu haben. Damals hab ich gelernt, das Papier mit den Stiften so lange zu streicheln, bis das Gesicht herausmodelliert ist. Und genau das mache ich bis heute bei jeder meiner Portraitzeichnungen. Fühlen Sie sich also gestreichelt ; )