Nach dem Tod seines Vaters wünschte sich ein Freund von mir ein Abschiedsportrait und eine dazu passende Urne. Seine Gestaltungsidee hat mich sofort fasziniert: Die Kinder und Lebenspartnerin spiegeln sich in der Brille des verstorbenen Papa. So hat er sie immer im Blick. Eine sehr tröstliche Vorstellung, egal wie man sie auslegt: als Würdigung eines umsichtigen Vaters, den man entweder hatte oder sich zumindest sein Leben lang gewünscht hätte; als Schutzengel, der aus dem Jenseits über seine Liebsten wacht; oder als Sinnbild dafür, dass wir nie ganz unabhängig wir selbst sind, sondern stets von unseren engsten Beziehungen geprägt werden. Diese Beziehungen sind wechselseitig. Sie betreffen jeden von uns, ob wir wollen oder nicht, und gewinnen nach dem Tod sogar noch an Bedeutung. Denn der Verstorbene kann keinen Einfluss mehr darauf nehmen, welches Bild wir von ihm behalten. Es bleibt auf diesem letzten Stand eingefroren als Erinnerung und lässt sich nur mehr verändern, indem wir es durch eine andere Brille betrachten. Dementsprechend liegen die kleinen Portraits auf der Brille auch auf einer separaten Ebene aus Transparentpapier, die man nach Wunsch entfernen oder austauschen könnte.
Portraitzeichnung
Bleistift auf Papier
DIN A2 Format, 40 x 60 cm
Fabriano Zeichenpapier 200 g/m2
Transparentpapier 60 g/m2
weißer Holzrahmen 50 x 70 cm, lichtgrau hinterlegt
2025


Urne
Quaderförmig, 18,5 x 18,5 x 27,5 cm
innen schwarz ausgeschlagen
Leinen, Karton, Papier, Kordel
Manschette aus Tonpapier
Ausdruck der digitalisierten Zeichnung aufkaschiert
2025

