Nach dem Tod seines Vaters wünschte sich ein Freund von mir ein Abschiedsportrait und eine dazu passende Urne. Seine Gestaltungsidee hat mich sofort fasziniert: Die Kinder und Lebenspartnerin spiegeln sich in der Brille des verstorbenen Papa. So hat er sie immer im Blick. Eine sehr tröstliche Vorstellung, egal wie man sie auslegt: als Würdigung eines umsichtigen Vaters, den man entweder hatte oder sich zumindest sein Leben lang gewünscht hätte; als Schutzengel, der aus dem Jenseits über seine Liebsten wacht; oder als Sinnbild dafür, dass wir nie ganz unabhängig wir selbst sind, sondern stets von unseren engsten Beziehungen geprägt werden. Diese Beziehungen sind wechselseitig. Sie betreffen jeden von uns, ob wir wollen oder nicht, und gewinnen nach dem Tod sogar noch an Bedeutung. Denn der Verstorbene kann keinen Einfluss mehr darauf nehmen, welches Bild wir von ihm behalten. Es bleibt auf diesem letzten Stand eingefroren als Erinnerung und lässt sich nur mehr verändern, indem wir es durch eine andere Brille betrachten. Dementsprechend liegen die kleinen Portraits auf der Brille auch auf einer separaten Ebene aus Transparentpapier, die man nach Wunsch entfernen oder austauschen könnte.
Kategorie: Trauer
Sail on, happy cat!
Posthum habe ich meinen Vater in diesem Neusiedlersee Panorama eingefügt. Das Bild hing als reines Landschaftsgemälde jahrelang in seinem Arbeitszimmer, da der Neusiedlersee sein Lieblingsort zum Segeln war. Für mich ist es nun nicht mehr bloß Erinnerung an einen wunderbaren Ort, sondern auch an unsere gemeinsamen Bootstouren. Sail on Happy Cat!
Merlin
Der Abschied von einem Haustier, das uns von Kindheit an begleitet hat und viele Jahre ein vollwertiges Familienmitglied war, ist besonders hart, wenn man selbst noch sehr jung ist. Merlins verwaiste Hundemama erhielt dieses Gemälde zum Trost von Ihrem Freund wenige Tage nach Merlins altersbedingtem Tod. Aufgehängt wurde das Bild über seinem ehemaligem Schlafplatz.
Frau Bürgermeister
Die Tochter des langjährigen Bürgermeisters wollte mit dieser Zeichnung ihrer Mutter, die stets im Schatten ihres Mannes gestanden hatte, Anerkennung und Aufmerksamkeit schenken. Die Mutter, mittlerweile demenzkrank und im Altersheim, erhielt die Zeichnung als Geburtstagsgeschenk. Beim Überreichen des Bildes gingen wir die Lebensstationen auf der Zeichnung mit der Jubilarin gemeinsam durch. Sie wirkte neugierig und ergriffen, auch wenn sie wohl nicht mehr alles wiedererkannt hat. Für die Geschwister der Auftraggeberin durfte ich vier Reproduktionen der Originalzeichnung anfertigen. Das Motiv der Zeichnung ist außerdem als Gestaltungselement für die Sterbenachricht der Mutter vorgesehen, sobald der Zeitpunkt gekommen ist.
Das letzte Bild
Ich denke, für viele Menschen ist es ein unausgesprochenes Tabu, Fotos von Kranken und Sterbenden zu machen. Gleichzeitig wird einem in so einer Situation aber bewusst, dass es vielleicht die letzte Erinnerung sein wird, die uns von unseren Liebsten bleibt. Das macht den Moment und den Anblick kostbar und schrecklich zugleich. Ein Kunstwerk bietet gegenüber einem Foto hier eine gewisse Überhöhung und vermag so die Wucht abzumildern, die der Anblick beim Betrachten ausübt. Können wir den Moment des Abschieds auf diese Weise würdigen anstatt verdrängen? Wie sehen Sie das?
Uropa
In diesem Weihnachtsgeschenk hält der bereits verstorbene Großvater der Auftraggeberin seine Urenkelin am Schoß, die zum Zeitpunkt seines Ablebens noch gar nicht auf der Welt war.
Kardiogramm
Beim Offenen Atelier 2023 freute ich mich, eine liebe Bekannte und Kundin als Besucherin begrüßen zu dürfen. Doch als sie mir erzählte, dass ihr noch ziemlich junger Mann im Sommer zuvor ganz plötzlich verstorben war, waren wir beide den Tränen nahe. Ich hatte das letzte Bild meiner ehemaligen Schwiegeroma ausgestellt, und als sie es sah, bat sie mich spontan, auch ein solches Bild für sie anzufertigen. Als Vorlage dienten Fotos von einem sehr berührenden Moment zwischen den beiden auf der Intensivstation. Ich danke ihr von Herzen für ihr Vertrauen, dass ich dieses heftige Erlebnis in einem Kunstwerk festhalten durfte!
Opas Garten
Wenn eigene Familienangehörige zu Palliativpatienten werden, hat man es deswegen nicht leichter, nur weil man selbst in einem mobilen Palliativteam arbeitet. Zumindest kannte die Auftraggeberin dadurch bereits unterschiedliche Angebote zum Thema Abschied. Nachdem ihr Vater verstorben war, wollte sie Erinnerungsdesign persönlich ausprobieren und bestellte eine Zeichnung zum Trost für ihre Mutter. Als Vorlage wählte sie ein Foto von einem glücklichen Moment zwischen ihren beiden Kindern und ihrem Vater, aufgenommen während einem der regelmäßigen Besuche in Opas Garten. Besonders berührt hat sie, wie cool es ihre Kinder fanden, sich selbst in der Zeichnung wiederzuerkennen, obwohl sie inzwischen schon einige Jahre älter waren als auf dem Foto.
Wiedersehen
Dieses Buntstiftportrait war ein Geschenk einer jungen Frau an ihren Mann unmittelbar nach dem Tod seiner Großmutter. Beim Begräbnis hatte er kaum Emotionen gezeigt, doch seine Frau wusste, dass die Oma für ihn stets eine wichtige Bezugsperson war. Sie hatten geplant, die Großmutter noch einmal mit ihren beiden Kindern zu besuchen, doch aufgrund des zunehmend schlechteren Gesundheitszustands kam es leider nicht mehr zu diesem Treffen. Auf Papier ließ sich der Moment jedoch nachholen. Als Vorlage für die Zeichnung musste die Auftraggeberin dafür als „Double“ der Schwiegeroma einspringen und ein Foto mit ihren Kindern in der richtigen Haltung nachstellen.
Heilige Ordnung
Nach dem plötzlichen Tod meines Vaters stand ich vor der Aufgabe, sein Haus auszuräumen. Es war voll von allem Möglichen: alten Verpackungen, kaputten Elektrogeräten, alten Fahrrädern und Bauteilen, die er als wertvolle Rohstoffe zum Basteln aufbewahrt hatte. Besonders schwer fiel mir das Entrümpeln seiner Werkstatt, denn dort hatten wir oft gemeinsam Reparaturen vorgenommen und über technische Probleme gefachsimpelt. Mein Vater hatte sich gegen das Aufräumen immer gewehrt und nannte sein Chaos in einem Ehrfurcht gebietenden Ton in reinster steirischer Hochlautung: "die heilige Ordnung". Wenn er etwas Bestimmtes suchte, wusste er genau, wie wieviele Schichten er abgraben musste, um es schließlich zutage zu befördern. Diese "heilige Ordnung" durfte ihm auch niemand durch wohlmeinende Aufräumversuche durcheinander bringen! Das Stilleben in der Garage war also mit der Identität meines Vaters so verwoben, dass ich es nicht einfach zerstören wollte. Da es an Ort und Stelle aber nicht bleiben konnte, übertrug ich es auf Papier und zeichnete meinen Vater mitten hinein in sein eigenes, göttliches Gefüge.
Milan
Dieser hübsche weiße Spitz wurde leider nur 2 Jahre alt. Vor allem für die Tochter des Auftraggebers war das ein großer Verlust. Ihr Vater wollte ihr daher ein Bild für ihr Zimmer schenken, das den Hund als süßen Welpen und als ausgewachsenen 'Wattebausch' zeigt.
Traum[a]
Die Auftraggeberin bat mich, einen visuellen Lebenslauf für ihre 2009 ermordete Schwester anzufertigen. Als Vorlage verwendete ich Fotos, die mir bereits aus einem früheren Projekt , dem Erinnerungsbuch, vertraut waren. 13 Jahre zuvor hatte ich unmittelbar nach dem Vorfall eng mit der Auftraggeberin zusammengearbeitet, um ein Gedenkbuch mit Fotos aus den Leben ihrer Schwester und Nachrufen über sie herauszugeben. Nun wünschte sie sich zusätzlich eine Zeichnung, die als Weihnachtsgeschenk für ihre Eltern gedacht war und das Gedenkbuch ergänzen sollte.
Chamäleon
Wie die Personen im Motiv angeordnet sind, gibt Auskunft über ihr Verhältnis zueinander. Eine kleine Handgeste oder ein Blick machen dabei oft einen großen Unterschied. Bei diesem Auftrag zeichnete ich jede Person auf ein separates Blatt. Dadurch können Betrachter die Figuren selbst umgruppieren, um unterschiedliche Konstellationen durchzuspielen oder um Ihren Verlust zu verdeutlichen, indem Sie Verstorbene aus dem Bild nehmen. Andererseits ist das nützlich, wenn Angehörige nicht einer Meinung sind, wer mit wem abgebildet werden soll. Möglich wird das in diesem Bild durch geschickt platzierte Hände, die in unterschiedlichen Kombinationen verschiedenen Personen zu gehören scheinen. Auch der Hintergrund kann bei dieser Darstellungsvariante jederzeit nach Belieben variiert werden.
Begleitet
Mit diesem Bild wurde eine junge Mutter beschenkt, deren Vater schon jung verstorben war und den sie selbst nur mehr von Fotos in Erinnerung hatte. Die Präsenz dieser Vaterfigur hat sie dennoch ein Leben lang begleitet, hier kann sie seine Nähe in der Zeichnung erstmals auch physisch sehen.
Zwiebelprinzip
Bei diesem Generationenportrait vom verstorbenen Großvater mit seinem Sohn, der selbst kürzlich Vater geworden ist, mit dem Babysohn bzw. Enkel, muss ich immer an eine Matrioschka denken – nur eben die männliche Variante davon. Faszinierend, wie sich das Leben aus sich selbst heraus verjüngt und welchen Schutz und Anker uns die vorangegangenen "Schichten der Lebenszwiebel" bieten. Zum Weinen schön, der Gedanke ; )
Verlobung
Dieser Mann erhielt von seiner Zuküftigen ein Verlobungsgeschenk mit emotionalem Mehrwert. Auf dem Bild steht er im Mittelpunkt zwischen den beiden wichtigsten Frauen in seinem Leben: seiner Mutter und seiner Braut. Doch die Beziehung zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter kann nur symbolisch am Papier stattfinden, da die Mutter früh verstorben ist und sich die beiden somit nie persönlich kennenlernen konnten.
Vereint am Papier
Miriam hatte den Herzenswunsch ein gemeinsames Bild von ihren kleinen Zwillingen, ihrem dreijährigen Sohn und ihrem vor 15 Jahren verstorbenen Papa zu haben – eine klassische Aufgabenstellung für Erinnerungsdesign, die sich mit den Möglichkeiten der Fotografie so nicht mehr realisieren lässt. Die Kundin war sprachlos vor Glück, als sie die Bleistiftzeichnung zum ersten Mal sah.
Kleines Format, große Wirkung
Die Auftraggeberin macht hier am Papier ihren kleinen Sohn mit seinem verstorbenen Urgroßvater bekannt. Die Zeichnung ging als Dankeschön an ihre Mutter, die im Bild folglich ihren Vater und ihren Enkel gemeinsam erlebt. Ein Zusammentreffen, das so leider nie stattfinden konnte.
Galloway
Janette [links im Bild] wollte ihrem Bruder [rechts] ein besonderes Geburtstagsgeschenk machen: Ihr Vater [Mitte] war plötzlich verstorben, als sie erst 21 und ihr Bruder 24 Jahre alt waren. Leider gab es kein gemeinsames Foto von den Dreien im Erwachsenenalter. Daher setzten wir aus Einzelfotos ein Motiv zusammen, das die Drei zusammen mit der kleinen Nichte der Kundin in einer liebevollen Umarmung zeigt. Der Vater war Züchter von Galloway Rindern, wie man an seinem Hemd erkennen kann. Die Geschwister führen den Hof nun alleine weiter.
Wir leben zweimal
Für die Sterbenachricht meiner Großmutter hatte ich bereits einige Jahre zuvor einen visuellen Lebenslauf gezeichnet. Die grauen Kuverts frankierten wir mit einer Sonderbriefmarke mit ihrem letzten Portrait darauf. In der Aufbahrungshalle und beim Requiem stand die Zeichnung auf einer Staffelei neben dem Sarg. Daneben brannte eine quaderförmige Trauerkerze, die auf der Vorder- und Rückseite ebenfalls mit der Zeichnung verziert war. An die Trauergäste wurden statt der üblichen Sterbebildchen Streichholzschachteln verteilt – mit der Bitte, im Gedenken an die Verstorbene ab und zu eine Kerze anzuzünden. Darauf waren auf der einen Seite ihr Portrait, ihr Name und ihre Lebensdaten zu sehen und auf der anderen Seite ein Zitat. Auch am Einband des Kondolenzbuchs war die Zeichnung abgebildet. Wir baten die Trauergäste von klassischen Beileidsbekundungen abzusehen und stattdessen eine Erinnerung an meine Großmutter einzutragen. Zur Inspiration hatten wir auf den einzelnen Seiten Fotos aus ihrem Leben eingeklebt.
Familiärer Rahmen
Auf dieser Zeichnung sieht man die kleine Schwester meiner Kundin mit dem gemeinsamen Opa, den das Mädchen nicht mehr persönlich kennenlernen konnte. Beschenkt wurde damit die Mama der beiden, die auf dem Bild ihren verstorbenen Vater mit ihrer jüngsten Tochter erlebt.
Motorsport-Dynastie
Bei diesem Projekt ging es wieder um einen früh verstorbenen Vater. Die Kundin schenkte ihrem Mann [rechts im Bild] eine Zeichnung, die ihn im Rennanzug mit ihrem gemeinsamen Sohn im Arm neben seinem verlorenen Vater [links] zeigt. Von ihm hat er bereits in jungen Jahren die Leidenschaft für den Motorsport geerbt und wird sie wohl an die dritte Generation weitergeben.
Opa posthum
Wenn ein Leben endet und ziemlich zeitgleich in derselben Familie neues Leben entsteht, beschert das manchen von uns eine Gänsehaut ... Dieses fiktive Portrait zeigt den zu früh verstorbenen Großvater mit seinen Enkelkindern im Arm, die er zu Lebzeiten nicht mehr kennenlernen konnte. Das Bild wurde als Geschenk für die Generation dazwischen bestellt.
Malermeister
Wer im Corona Lockdown einen lieben Menschen verloren hat, weiß wie schlimm es ist, auf ein Begräbnis verzichten zu müssen und in Isolation zu trauern. Darum war mir dieser Auftrag eine besondere Herzensangelegenheit. Die Familie des Portraitierten bestellte für die nachgeholte Abschiedsfeier im Andenken an den verstorbenen Vater Windlichter und Servietten mit seinem Portrait, um die Festtafel zu schmücken.
Vierbeinige Kollegen
Anlässlich seiner Pensionierung erhielt ein Hundeführer des Österreichischen Bundesheeres eine besondere Erinnerung von seinen Kindern: ein Portrait, das ihn inmitten aller Hunde zeigt, mit denen er im Lauf seiner langjährigen Tätigkeit zusammengelebt und gearbeitet hat.
Unbunt
Junge Eltern mit ihrem ersten Baby. Eigentlich könnte das ein ganz normales Familienportrait sein, wäre es nicht als Trauerandenken an eine Tochter entstanden, die mit einer Krankheit ohne Überlebenschancen zur Welt kam. Das Bild von einer glücklichen Familie – ohne Farben – wird zum Symbol für eine Elternschaft – ohne Kind. Mutter und Vater werden sich ewig daran erinnern, wie sich die Liebe zu ihrer Tochter angefühlt hat, aber das volle Spektrum dieser Erfahrung bleibt ihnen seit dem frühen Tod ihres Kindes verwehrt.
Kurzer Augenblick
Diese Radierung zeigt einen sehr innigen Moment zwischen einem Vater und seiner neugeborenen Tochter. Während all seine Aufmerksamkeit bei ihr ist und er in diesem geborgenen Moment vielleicht sogar wegzudösen scheint, wirkt sie wach und auf etwas konzentriert, das außerhalb des Bildausschnitts liegt. Was wir als Betrachter auf dem Bild nicht sehen, ist die lebensbedrohliche Krankheit des Mädchens, die sie nur wenige Wochen alt werden ließ. Für mich bringt dieses Motiv die unglaubliche Kraft und den Mut der Eltern zum Ausdruck, ihrem Kind die Zeit auf dieser Erde so angenehm und erträglich wie möglich zu machen, obwohl sie aufgrund der Diagnose gleichzeitig mit dem tiefen Schmerz zurecht kommen mussten, dass ihre kleine Tochter bereits dem Tod ins Auge sieht.
Sonnenuntergang
Das letzte gemeinsame Foto von meinem verstorbenen Vater und mir ist etwas Besonderes für mich. Dem wird die Alltagsästhetik von einem Selfie gar nicht gerecht. Deshalb wollte ich das Motiv mit einer besonders aufwendigen Technik – einer Radierung – zu Papier bringen. Ein Vorteile analoger Druckverfahren ist, dass sie hervorragend geeignet sind, um Kleinserien zu produzieren. So wird beispielsweise jede mit dieser Technik hergestellte Sterbenachricht zu einem wertvollen Unikat.
Portraitkerzen
Die Kerze ist wohl der Klassiker unter den Ritualgegenständen. Meine Portraitkerzen zeichnen sich durch schlichtes Design in Kombination mit Typografie aus. Beim Entzünden haucht das sanfte Licht des Feuers dem Portrait symbolhaft Leben ein. Das wirkt äußerst berührend! Auf zusätzliche Wachsverzierungen und Symbole verzichte ich daher lieber. Kerzen gibt es in denkbar vielen Formen und Größen, für jeden Anlass und Geschmack das passende Modell, auch in LED-Ausführung oder mit Fackeldocht für den Einsatz in zugigen Locations oder Außenräumen. Die Portraitzeichnung übertrage ich mittels Wassertransferdruck auf die jeweilige Kerze. Ein Untersetzer aus Industriefilz wirkt Beschädigungen entgegen.
Portraitschmuck
Fotos vom Abschied
Da der Verstorbene seinen Körper der Anatomie vermacht hatte, gab es bei diesem Trauerfall zwei separate Abschiedsfeiern: eine private und eine öffentliche, organisiert vom Anatomischen Institut am Wiener Zentralfriedhof. Die Mutter des Verstorbenen war leider nicht mobil genug, um in Wien mit dabei zu sein. Deshalb fasste ich Fotos und Nachrufe von beiden Zeremonien in diesem Abschiedsbuch für sie zusammen.
Bildhauer
2015 verstarb plötzlich ein Freund meiner Mutter. Gemeinsam halfen wir seiner über 80-jährigen Mutter bei der Organisation des Abschieds. Da er seinen Körper der Anatomie gespendet hatte, gab es keinen Sarg bei der Beerdigung. Stattdessen haben wir sehr persönliche Abschiedstexte verfasst und vorgetragen. Als stilgerechte Würdigung für einen bildenden Künstlerkollegen durfte ich seinen visuellen Lebenslauf beitragen. Dieser Lebenslauf fand sich auch als zentrales Gestaltungselement auf der Sterbenachricht und auf Gedenkkerzen bei der Abschiedsfeier. Zudem zierte er das Cover eines Fotobuchs, das die Abschiedszeremonie in seiner Heimatgemeinde sowie die öffentliche Gedenkfeier am Wiener Zentralfriedhof dokumentierte, die vom Anatomischen Institut der Universität Wien organisiert wurden. Auch ein sehr individuelles Sterbebildchen entwarf ich, das in der Kirche und am Friedhof an die Trauergäste verteilt wurde.
Bildhauers Gedenkbild
Das Gedenkbild, wie man es im Anschluss an Trauerfeiern als Andenken an die Gäste verteilt, erhielt hier eine bedeutsame Zusatzfunktion: Es enthält nicht nur Foto und Lebensdaten des Verstorbenen sondern auf der Rückseite eine von mir entworfene Schnittvorlage. Wenn man diese gemäß Anleitung ausschneidet und zusammensteckt, entsteht die vereinfachte Nachbildung einer Skulptur des verstorbenen Bildhauers. Die Bildelemente sind so angeordnet, dass die Informationen der Vorderseite im Inneren der Pyramide erhalten bleiben, wenn man die Skulptur zusammenbaut.
Vase für die Urnennische
In einer Urnennische ist der Platz begrenzt. Deshalb entstand vom Portrait der Verstorbenen eine Vase für Blumenschmuck, die fix in der Nische montiert wurde.
Milchsternchen
2016 durfte ich wichtige Stationen im Leben des Botanikers und ehemaligen Leiters des Linzer Biologiezentrums, Dr. Franz Speta, in eine Portraitgrafik zusammenfassen. Im Zentrum steht der von ihm selbst gezeichnete Zwiebelquerschnitt einer Blume, die er als erster wissenschaftlich beschrieben und nach seiner Frau benannt hat: das Milchsternchen "Prospero Elisae"... Wie romantisch!
Herzlichen Dank für die Wertschätzung an Elise Speta! Sie hat meinen visuellen Lebenslauf ihres verstorbenen Mannes nun auch öffentlich zugänglich gemacht – und zwar über den virtuellen Friedhofsführer am Barbara-Friedhof in Linz. Das Erinnerungsprojekt friedhofsfuehrer.at ist unbedingt einen Klick wert. Besonders empfehlenswert für Leute, die gern auf Friedhöfen spazieren gehen und dabei mehr über das Leben prominenter Verstorbener erfahren möchten.
Windlicht
Als Tischdekoration für die Zehrung meines verstorbenen Bruders bedruckte ich Windlichter mit seinem Portrait. Diese Windlichter konnten die Trauergäste als Dankeschön für die erwiesene Anteilnahme anschließend mit nach Hause nehmen.
Mein Bruder
Mein Halbbruder starb bei einem Autounfall als Beifahrer noch an der Unfallstelle. Als mir mein Vater am nächsten Morgen die schockierende Nachricht überbrachte, verlor er nicht viele Worte. Er bat mich lediglich, ein Bild als Andenken zu zeichnen. Mein Halbbruder war erst 19 Jahre alt, weshalb der Fokus weniger auf vielen verschiedenen Lebensstationen lag, sondern vielmehr auf unterschiedlichen Facetten seiner Persönlichkeit: dem schelmischen Gamer, dem tierlieben Sohn und dem jungen Mann, der dabei war, erwachsen zu werden. Dass es meinem Vater so wichtig war, dieses Porträt zu erhalten, und dass ich dadurch bereits mehrfach Sterbefälle mit Bildern begleitet hatte, war wohl ausschlaggebend für meine Entscheidung, meine Art der Porträtzeichnung als Dienstleistung anzubieten, sodass auch andere Menschen auf diese Weise ihre Erinnerungen bewahren können.
Oma kocht
Die Beziehung zu meiner Oma war immer etwas schwierig. Als sie demenzkrank wurde und sich ihre Persönlichkeit Schritt für Schritt aufzulösen begann, erhielt ich erstmals die nötige Distanz, um mich mit ihrer Biografie wertfrei auseinanderzusetzen. Man könnte diesen gezeichneten Lebenslauf auch als späten Akt des Mitgefühls für ihr trauriges Schicksal bezeichnen – ein Mitgefühl, dass ich ihr davor, als sie noch bei klarerem Bewusstsein war, nie schenken konnte, weil unsere Gespräche so oft im Streit geendet hatten. In der linearen Anordnung sieht man sie als Schulkind, als junges Mädchen im kleinbäuerlichen Nachkriegsmilieu, als junge Diätköchin in Vorarlberg, am Hochzeitsfoto, mit meiner Mutter und mir als Kindern, mit meinem Großvater nach 40 Jahren Ehe und schließlich im alzheimerbedingten Wachkoma, in dem sie fast 15 Jahre Ihres Lebens verbringen musste.
Erinnerungsbuch
Nach der Ermordung einer Freundin hatte ich den Wunsch, ihrem Leben ein Denkmal zu setzen. Dazu griff ich eine Idee auf, die sie selbst vor ihrem Tod gehabt hatte: Sie wollte ein Fotoalbum ihrer Freunde zusammenstellen. In enger Zusammenarbeit mit ihrer Schwester erstellte ich ein Gedenkbuch bestehend aus Nachrufen von 36 verschiedenen Autoren (Familie, Freunde, Lehrer, Arbeitgeber). Die Beiträge entsprechen jeweils Kapiteln, die in invers chronologischer Abfolge (vom Begräbnis rückwärts bis zur Geburt) wichtige Etappen in der Biografie der Verstorbenen repräsentieren und durch Fotos und Zeichnungen aus ihrem Leben illustriert sind. Das Schlusskapitel bildet eine autobiografische, parabelhafte Erzählung, in der die Verstorbene selbst ihre Persönlichkeit reflektiert und Fremdzuschreibungen zT konterkariert. Jedem Kapitel ist zudem eine Symbolpflanze zugeordnet, die für die botanisch interessierte Ermordete von Relevanz war.
Heute vor einem Jahr
Als Erinnerung an eine turbulente Zeit gestaltete ich mit den Fotos der vergangenen Monate einen Kalender für das darauffolgende Jahr. Zentrales Element ist eine fortlaufende Fotoleiste in der oberen Bildhälfte. Durch das Umblättern der Seiten wird Woche für Woche das jeweils nächste Bild dieser Fotoleiste hervorgehoben und mit einer Bildunterschrift näher erläutert. Die Bilder sind chronologisch im Jahresverlauf angeordnet, sodass man nachvollziehen kann, was in der entsprechenden Woche des Vorjahres geschehen war. Die untere Bildhälfte lässt Raum für persönliche Einträge zu den einzelnen Wochentagen. Diesen freien Bereich kann man entweder wie ein kalendarisches Tagebuch zur Reflexion über das Vergangene benutzen oder wie einen normalen Kalender zum Eintragen von zukünftigen Terminen. Ich gestaltete diesen Kalender nicht nur für mich selbst, sondern auch als sehr persönliches Weihnachtsgeschenk für Familienmitglieder – einerseits als Dank für das erwiesene Mitgefühl und andererseits, um noch einmal Revue passieren zu lassen, warum ich im Vorjahr etwas durch den Wind gewesen war. Die Feiertage, Gedenktage und Ferien waren jeweils personalisiert und abgestimmt auf die beschenkten Personen.
Blinder Fleck
Mein erster visueller Lebenslauf entstand für die verstorbene Großmutter meines damaligen Partners. Die geplante, minimalistische Abschiedsfeier im engsten Familienkreis schien mir der Persönlichkeit dieser lieben Frau, die ich sehr ins Herz geschlossen hatte, nicht gerecht zu werden. Daher sichtete ich ihren Fotonachlass und wählte einige repräsentative Bilder aus ihren acht Lebensjahrzehnten aus. Darunter waren bezaubernde historische Schwarz-Weiß-Fotografien aus ihrer Jugend genauso wie ein Bild, das wir in ihren letzten Wochen im Krankenhaus während unserer regelmäßigen Besuche gemacht hatten. Nach einigem Überlegen beschlossen wir, nicht ein einzelnes Bild für die Sterbenachricht auszuwählen, sondern alle wichtigen Episoden in die Bleistiftzeichnung einfließen zu lassen. Mir war wichtig, den Angehörigen in Erinnerung zu rufen, dass das Leben der Verstorbenen aus mehr bestanden hatte als bloß ihrer zunehmenden Erblindung und daraus resultierenden Hilfsbedürftigkeit im Alter. Die Zeichnung lieferte quasi das Bildmaterial zu den vielen Erzählungen und Gesprächen über ihr Leben, die wir mit ihr geführt hatten. Mein Honorar für diese Arbeit wurde schließlich sogar von der Sterbeversicherung als Teil der Begräbniskosten übernommen, was ich als erfreuliche Geste der Anerkennung betrachtete.
