Nach dem plötzlichen Tod meines Vaters stand ich vor der Aufgabe, sein Haus auszuräumen. Es war voll von allem Möglichen: alten Verpackungen, kaputten Elektrogeräten, alten Fahrrädern und Bauteilen, die er als wertvolle Rohstoffe zum Basteln aufbewahrt hatte. Besonders schwer fiel mir das Entrümpeln seiner Werkstatt, denn dort hatten wir oft gemeinsam Reparaturen vorgenommen und über technische Probleme gefachsimpelt. Mein Vater hatte sich gegen das Aufräumen immer gewehrt und nannte sein Chaos in einem Ehrfurcht gebietenden Ton in reinster steirischer Hochlautung: „die heilige Ordnung“. Wenn er etwas Bestimmtes suchte, wusste er genau, wie wieviele Schichten er abgraben musste, um es schließlich zutage zu befördern. Diese „heilige Ordnung“ durfte ihm auch niemand durch wohlmeinende Aufräumversuche durcheinander bringen! Das Stilleben in der Garage war also mit der Identität meines Vaters so verwoben, dass ich es nicht einfach zerstören wollte. Da es an Ort und Stelle aber nicht bleiben konnte, übertrug ich es auf Papier und zeichnete meinen Vater mitten hinein in sein eigenes, göttliches Gefüge.
Portraitzeichnung
Buntstifte auf cappuccinofarbigem Papier
DIN A4 Format, 20 x 30 cm
Clairefontaine Zeichenpapier 250 g/m2
Version 1: Schwarzweißfoto im Hintergrund
Objektrahmen 50 x 50 cm
Version 2: Farbfoto und Transparentpapier im Hintergrund
Aluwechselrahmen 30x 30 cm
2024




